Der Markt Wendelstein im mittelfränkischen Landkreis Roth ist ein Ort, an dem sich die Geschichte der Industrialisierung und die mittelalterliche Handwerkstradition auf einzigartige Weise kreuzen. Geografisch liegt die Gemeinde direkt vor den Toren von Nürnberg, eingebettet in das idyllische Schwarzachtal. Die Schwarzach selbst ist die Lebensader des Ortes; sie schlängelt sich malerisch durch den historischen Altort und zeugt mit ihren Wehren und alten Mühlenstandorten von der einstigen Kraft des Wassers.
Eine Besonderheit, die Wendelstein weit über die Grenzen Frankens hinaus bekannt gemacht hat, ist der Ludwig-Donau-Main-Kanal, ein technisches Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, das mit seinen prächtigen Schleusenanlagen und den stillen Treppelwegen die Gemeinde durchzieht. Die Architektur des Kernortes ist geprägt von markanten Fachwerkbauten und der alles überragenden St. Georg Kirche, deren spätgotischer Flügelaltar zu den bedeutendsten Kunstschätzen der Region zählt.
Wendelstein ist zudem ein Zentrum der Metallverarbeitung; die Geschichte der Drahtzieher und Messingpioniere ist hier an jeder Ecke spürbar. Diese Mischung aus technischer Pionierleistung am Kanal, der rauen Industriegeschichte der Metallverarbeitung und der verträumten Flusslandschaft der Schwarzach bildet die perfekte Kulisse für eine Geschichte über Neid, Verrat und ein Erbe, das besser im Verborgenen geblieben wäre.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist die Schleuse 60 am Ludwigskanal. In der Nähe des alten Schleusenwärterhauses, halb versteckt im hohen Schilf des stillgelegten Kanals, wird ein antiker Messschieber gefunden. Das Werkzeug ist aus massivem Messing gefertigt und trägt die Initialen einer alteingesessenen Wendelsteiner Fabrikantenfamilie. An den Schenkeln des Instruments kleben Reste von schwarzem Pech, einer Substanz, die früher zum Abdichten der hölzernen Kanalschiffe verwendet wurde, heute aber kaum noch gebräuchlich ist.
Ein weiterer entscheidender Ort ist die St. Georg Kirche. In der Nähe des Taufbeckens wird ein zerknittertes Notenblatt sichergestellt. Wendelstein ist für seine Jazz- und Blues-Konzerte bekannt, doch bei diesem Fund handelt es sich um eine handgeschriebene Partitur aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Rückseite findet sich eine skizzierte Karte des Schwarzachtals, auf der ein Punkt unterhalb des Kirchfelsens mit einem Brandmal markiert wurde. Zudem weist das Papier kleine Brandlöcher auf, die nach dem Schwefel von Zündhölzern riechen.
Der dritte Schauplatz ist das Alte Schloss, ein ehemaliger Herrensitz, der heute als kulturelles Zentrum dient. In einem der tiefen Gewölbekeller wird ein verlorener Manschettenknopf in Form eines Zahnrads gefunden. Der Knopf ist verbogen, als wäre er in einem heftigen Handgemenge abgerissen worden. In den Ritzen des Zahnrads finden sich Spuren von Rostschutzmittel, das typischerweise in der metallverarbeitenden Industrie der Region verwendet wird.
Der vierte Schauplatz ist das Wendenfreibad bzw. dessen unmittelbare Umgebung am Flusslauf. Im seichten Wasser der Schwarzach wird ein schwerer Lederbeutel entdeckt. Er enthält keine Münzen, sondern mehrere Drahtspulen aus reinem Gold. Diese wurden offensichtlich mit einer historischen Drahtziehermaschine gefertigt, wie sie nur noch im örtlichen Museum als Ausstellungsstück existiert. Der Beutel ist mit einem wasserfesten Knoten verschlossen, der auf eine seemännische Ausbildung des Täters hindeuten könnte.
Verdächtige
Konrad Drahtzieher ist ein pensionierter Werksleiter einer der großen Metallfabriken. Sein Motiv ist die Rettung der lokalen Industriegeschichte. Er erfuhr, dass wertvolle Patente und Rohmaterialien aus der Frühzeit der Industrialisierung illegal ins Ausland verkauft werden sollten. Er wollte dies verhindern, um das „Wissen der Väter“ in Wendelstein zu halten. Seine Besonderheit ist sein enormes Fachwissen über Legierungen und seine Angewohnheit, ständig eine kleine Zange in der Westentasche zu tragen.
Isabella von Schwarzach ist eine Kunsthistorikerin, die mit der Inventarisierung des Kirchenschatzes betraut war. Ihr Motiv ist pure Habgier, getarnt als wissenschaftlicher Ehrgeiz. Sie entdeckte in den Archiven Hinweise auf das „Schwarze Gold“ – ein verstecktes Depot aus der Zeit des Kanalbaus. Ihr Ziel war es, die Golddrähte zu bergen und für ihre privaten Forschungen in Nürnberg zu nutzen. Ihre Besonderheit ist ihre Vorliebe für historische Mode und ihr exquisites Parfüm, das eine Note von Bittermandel und Schwefel trägt, was sie mit dem Notenblatt in der Kirche in Verbindung bringt.
Hannes Schleusenwärter ist ein leidenschaftlicher Hobby-Historiker und technischer Angestellter der Gemeinde. Sein Motiv ist Rache für eine empfundene Ungerechtigkeit. Er glaubt, dass seine Familie beim Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals um Ländereien betrogen wurde. Er suchte nach Beweisen in den alten Schleusenkammern, um die Gemeinde zu verklagen. Seine Besonderheit ist seine profunde Kenntnis aller Geheimgänge entlang der Schwarzach und seine nautischen Kenntnisse, die er sich während seiner Zeit bei der Flussmeisterei angeeignet hat.
Konflikt und Geheimnis
Die tiefere Hintergrundgeschichte dreht sich um das „Schwarze Gold von Wendelstein“. Entgegen der ersten Vermutung handelt es sich dabei nicht um echtes Gold, sondern um eine spezielle, extrem belastbare Messinglegierung, die beim Bau der Schleusentore des Kanals verwendet wurde. Ein Teil dieser Legierung wurde jedoch heimlich mit echtem Gold veredelt, um ein privates Vermögen vor dem Zugriff der Krone zu schützen. Dieses Gold wurde in Form von feinen Drähten in die Mechanik einer alten Mühle eingearbeitet. Das Opfer, ein junger Heimatforscher, hatte die chemische Formel in den Unterlagen der St. Georg Kirche gefunden und wollte seinen Fund öffentlich machen. Der Konflikt zwischen den Bewahrern der Tradition, den Schatzsuchern und denjenigen, die alte Rechnungen begleichen wollen, führte schließlich zum tödlichen Zusammenstoß am Wehr der Schwarzach.
Aufklärung und Finale
Das Finale ereignet sich am Ludwigskanal während einer festlichen Fackelbeleuchtung der Schleusenanlagen. Die Ermittler präsentieren die Beweiskette und führen die Verdächtigen vor den Augen der versammelten Bürgerschaft zusammen. Der entscheidende Beweis ist der Messschieber mit dem schwarzen Pech. Es wird demonstriert, dass dieses Pech identisch mit dem Material ist, mit dem das Versteck in der alten Mühle versiegelt war. Da nur Hannes Schleusenwärter Zugang zu den originalen Reparaturmaterialien des Kanals hat, gerät er unter Druck. Doch der finale Schlag erfolgt durch den Manschettenknopf. Konrad Drahtzieher trägt bei der Feier ein Hemd, dem genau dieser Knopf fehlt. Er gibt schließlich zu, den jungen Forscher am Wehr konfrontiert zu haben, um das Gold für die „Ehre Wendelsteins“ zu sichern. Isabella von Schwarzach wird als Komplizin entlarvt, da sie die Partitur mit der Karte manipuliert hatte, um Konrad auf die falsche Fährte zu locken und den Schatz selbst zu heben.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Der Fall ist gelöst, das Gold wird dem Markt Wendelstein zur Finanzierung kultureller Projekte übergeben. Die Teilnehmer des Krimi-Events werden feierlich geehrt und erhalten die Auszeichnung „Großmeister des Wendelsteiner Zunftgeheimnisses“. Das Zertifikat ist auf handgeschöpftem Papier gedruckt und mit einem Siegel aus echtem Wendelsteiner Messing versehen. Es würdigt den Scharfsinn und die Standhaftigkeit bei der Wahrung der fränkischen Gerechtigkeit.
Essen und Trinken
Das Menü ist eine Hommage an die herzhafte fränkische Küche. Als Vorspeise wird eine Fränkische Kartoffelsuppe mit gerösteten Brotstücken gereicht. Der Hauptgang besteht aus dem traditionellen „Schäufele“ mit einer krustigen Schwarte, serviert mit Kartoffelklößen und einem Beilagensalat mit Kernöl. Als vegetarische Option gibt es Gebackenen Karpfen (in der Saison) oder Kässpätzle mit Röstzwiebeln. Zum Trinken wird ein bernsteinfarbenes Landbier aus einer lokalen Brauerei oder ein trockener Bocksbeutel aus dem nahen Weinfranken ausgeschenkt. Zum Dessert gibt es „Kanal-Steine“ (dunkle Schokoladentrüffel mit einem Kern aus flüssigem Gold-Likör).
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine Führung am Ludwigskanal, bei der die Funktionsweise der historischen Schleusen erklärt wird. In der Drechsler- und Metallwerkstatt können die Teilnehmer unter Anleitung selbst einen kleinen Ring aus Messingdraht biegen. Für die musikalische Untermalung sorgt ein Jazz-Duo, das Klassiker des Wendelsteiner Jazzfestivals spielt. Eine Sagenwanderung durch das Schwarzachtal bei Vollmond bietet zudem die Möglichkeit, mehr über die dunklen Legenden der Region zu erfahren.
Benötigte Requisiten
Für das Krimi-Event werden benötigt: Ein historischer Messschieber aus Messing, eine präparierte Partitur mit Brandflecken, ein Paar Zahnrad-Manschettenknöpfe, ein Lederbeutel mit goldfarbenen Drahtspulen, Schwarzlichtlampen zur Spurensicherung, eine Karte des Schwarzachtals, künstliches Pech (oder schwarze Knete), Absperrband für die Tatorte sowie die Urkunden für die Siegerehrung.
(Bildvorschlag: Eine stimmungsvolle Ansicht der Schleuse 60 am Ludwig-Donau-Main-Kanal im Abendrot, im Vordergrund ein alter Messing-Messschieber, der auf einem verwitterten Holzbalken liegt, daneben eine handgezeichnete Karte des Schwarzachtals.)
