Die Gemeinde Wasserlosen liegt im Herzen des Landkreises Schweinfurt, eingebettet in die sanften, aber kargen Hügel der Wern-Lauer-Platte in Unterfranken. Geografisch ist der Ort eine Besonderheit: Der Name ist hier Programm, denn die Region auf der Fränkischen Trockenplatte ist seit Jahrhunderten durch ihre Wasserarmut geprägt. Während andere Dörfer an Flüssen wie dem Main oder der Saale prosperierten, mussten die Bewohner von Wasserlosen und seinen Ortsteilen wie Wülfershausen oder Greßthal das kostbare Nass mühsam aus tiefen Brunnen im Muschelkalk fördern. Diese geografische Härte hat eine ganz eigene Architektur und Mentalität hervorgebracht. Die massiven Steinhäuser aus lokalem Kalkstein trotzen der brennenden Sommersonne, während unter der Erdoberfläche ein komplexes System aus Karsthöhlen und unterirdischen Wasseradern verläuft, die unberechenbar versiegen oder an anderer Stelle plötzlich hervortreten.
Wasserlosen ist ein Ort der weiten Blicke über goldene Weizenfelder und grüne Rapsmeere, unterbrochen nur von kleinen Waldstücken und den markanten Windrädern auf den Anhöhen. Die Stille der Hochebene wird nur vom Rauschen des Windes durchbrochen, doch genau diese Ruhe ist trügerisch. In einer Gemeinde, in der Wasser historisch gesehen wertvoller war als Wein, führen Streitigkeiten um Brunnenrechte und Grundstücksgrenzen oft zu Fehden, die über Generationen hinweg unter dem trockenen Boden schwelen. Wenn die Dämmerung über die Fränkische Alb zieht und die Lichter von Schweinfurt am Horizont flackern, offenbart sich in Wasserlosen eine kriminelle Energie, die so unerbittlich ist wie eine jahrelange Dürre.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist die historische Zisterne am Ortsrand von Wasserlosen. In dem tiefen, aus Kalkstein gemauerten Schacht wird eine antike Wünschelrute gefunden. Das Holz der Rute ist frisch gesplittert, und an der Gabelung finden sich Reste von rotem Siegellack, wie er früher für notarielle Urkunden verwendet wurde. Direkt auf dem Randstein der Zisterne wird ein verlorener Manschettenknopf sichergestellt, der das Wappen eines alten unterfränkischen Adelsgeschlechts trägt. Der Boden um die Zisterne ist mit feinem weißem Gipsstaub bedeckt, der untypisch für die natürliche Bodenbeschaffenheit der unmittelbaren Umgebung ist.
Ein weiterer entscheidender Ort ist die Kirche St. Cyriakus in Wülfershausen. In einer der hinteren Kirchenbänke wird ein beschädigtes Gebetbuch entdeckt. Zwischen den Seiten klebt eine moderne Speicherkarte, die mit Klebestreifen befestigt wurde. Auffällig ist, dass das Buch nach altem Keller und Moder riecht, obwohl die Kirche trocken ist. In der Nähe des Beichtstuhls finden die Ermittler einen einzelnen Arbeitshandschuh, an dessen Innenseite Spuren von Hydrauliköl und winzige Fragmente von fossilen Muschelschalen haften, die auf Arbeiten in tieferen Erdschichten hindeuten.
Der dritte Schauplatz ist ein modernes Windrad auf der Anhöhe zwischen Wasserlosen und Greßthal. In der Wartungsluke am Fuß des Turms wird ein hochwertiges Tablet-Computer gefunden. Auf dem Display ist eine geologische Karte der Wern-Lauer-Platte geöffnet, auf der bestimmte Punkte mit violetten Markierungen versehen sind. Neben dem Gerät liegt eine leere Flasche Bocksbeutel, deren Etikett von einem Winzer aus dem nahegelegenen Hammelburg stammt. In der Nähe der Einstiegsluke finden sich Abdrücke von Sportschuhen, deren Sohlenprofil Reste von Lehm und Stroh aufweist, was auf einen Aufenthalt in einem landwirtschaftlichen Betrieb hindeutet.
Der vierte Schauplatz ist das Ufer eines kleinen Löschweihers in einem der Ortsteile. Im seichten Wasser, halb im Schlamm versunken, wird eine verschlossene Metallkiste geborgen. Sie ist mit einem schweren Vorhängeschloss gesichert, das Spuren von Gewalteinwirkung durch einen Bolzenschneider aufweist. Im Inneren der Kiste befinden sich alte Grundbuchauszüge auf Pergament, die jedoch mit neonfarbenem Textmarker bearbeitet wurden. An der Kiste haften Blütenblätter der Wilden Malve, einer Pflanze, die typisch für die Wegränder der unterfränkischen Trockenrasen ist. Zudem findet sich ein Lederbeutel mit Quarzkristallen, die jedoch künstlich geschliffen wurden.
Verdächtige
Baptist Brunnenbauer ist ein pensionierter Brunnenmeister und leidenschaftlicher Heimatforscher. Sein Motiv ist die Bewahrung eines Geheimnisses. Er hat eine Karte entdeckt, die beweist, dass unter Wasserlosen eine riesige, bisher unbekannte wasserführende Schicht verläuft. Er befürchtete, dass Großkonzerne dieses Wasser abpumpen und die Landwirtschaft ruinieren würden. Seine Besonderheit ist sein Wissen über die alten Wünschelruten-Techniken und seine Vorliebe für historische Adelsgeschichten, was ihn mit dem Manschettenknopf und der Zisterne in Verbindung bringt.
Dr. Verena Volt ist eine Ingenieurin für erneuerbare Energien, die für den Ausbau des Windparks zuständig ist. Ihr Motiv ist wissenschaftliche Neugier, die zur Besessenheit wurde. Bei den Fundamentarbeiten für die Windräder stieß sie auf die unterirdischen Hohlräume und wollte diese für ein neuartiges Energiespeichersystem nutzen, ohne die Gemeinde zu informieren. Sie nutzte das Tablet zur Kartierung der geheimen Gänge. Ihre Besonderheit ist ihr rücksichtsloses Vorgehen und ihre Vorliebe für teure Weine aus dem Saale-Tal, was die Bocksbeutelflasche erklärt.
Ludwig Landwirt ist ein einflussreicher Bauer, dessen Felder direkt über dem vermuteten Wasservorkommen liegen. Sein Motiv ist finanzielle Not und Gier. Er wurde von Dr. Volt bestochen, um den Zugang zu den unterirdischen Gängen auf seinem Grund zu verbergen. Er wollte das Wasserrecht heimlich an einen Mineralbrunnen-Abfüller verkaufen, um seine Schulden zu tilgen. Seine Besonderheit ist sein technisches Geschick im Umgang mit schweren Maschinen und die Tatsache, dass er bei der Arbeit ständig Sportschuhe statt Stiefel trägt, was die Spuren am Windrad erklärt.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefere Konflikt dreht sich um das „Wunder von Wasserlosen“. Es ist die Entdeckung einer unterirdischen Kathedrale aus Tropfstein, in deren Zentrum eine glasklare Quelle entspringt, die seit der Eiszeit versiegelt war. Das Geheimnis ist, dass dieses Wasser einen extrem hohen Anteil an wertvollen Mineralien besitzt. Das Opfer, ein junger Hydrogeologe aus Würzburg, hatte die Quelle zufällig bei einer privaten Wanderung entdeckt. Er wurde getötet, weil er nicht bereit war, sein Schweigen gegen das Bestechungsgeld von Ludwig Landwirt und Dr. Verena Volt einzutauschen. Der Konflikt zwischen der ökologischen Bedeutung dieses Wasserschatzes für die trockene Region und der industriellen Ausbeutung bildet den Kern der Geschichte.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während der Kirchweih in Wasserlosen statt, während der Festbetrieb auf dem Marktplatz in vollem Gange ist. Vor der versammelten Gemeinde werden die Verdächtigen konfrontiert. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch die Speicherkarte aus dem Gebetbuch. Sie enthält Fotos, die der Hydrogeologe kurz vor seinem Tod gemacht hat und die Dr. Volt und Ludwig Landwirt beim illegalen Abpumpen von Proben an der Zisterne zeigen. Als Ludwig versucht, die Flucht zu ergreifen, präsentieren die Ermittler den Arbeitshandschuh mit dem Hydrauliköl. Das Öl ist identisch mit dem Schmiermittel von Ludwigs Traktor, mit dem er versucht hatte, den Zugang zur Quelle zu verschütten. Doch der wahre Mörder wird durch den Manschettenknopf überführt. Es stellt sich heraus, dass Baptist Brunnenbauer den Knopf am Tatort deponiert hatte, um den Verdacht auf eine alte Fehde zu lenken. Baptist gesteht schließlich, dass er den Geologen im Streit an der Zisterne stieß, weil er glaubte, dieser würde das Wasser an die Industrie verraten. Dr. Volt und Ludwig Landwirt werden als Komplizen wegen Unterschlagung und Umweltvergehen verhaftet.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Der Fall ist gelöst, die unterirdische Quelle wird unter staatlichen Schutz gestellt und sichert die Zukunft der Gemeinde Wasserlosen. Die Teilnehmer des Krimi-Events werden für ihre scharfsinnige Kombination von geologischen und landwirtschaftlichen Hinweisen geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Großsiegelbewahrer der Karstquelle“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare für Unterfranken und Experten für hydrogeologische Kriminalfälle.
Essen und Trinken
Die kulinarische Begleitung ist geprägt von der herzhaften fränkischen Küche, die ohne viel Wasser auskommt. Als Vorspeise wird eine „Gebackene Blutwurst auf Apfelsalat“ serviert. Der Hauptgang besteht aus „Fränkischem Hochzeitsessen“ (Gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße), dazu gibt es Bandnudeln und Preiselbeeren. Für Vegetarier werden „Gebackene Kartoffelklöße mit Waldpilzragout“ angeboten. Zum Trinken gibt es ein kräftiges Landbier oder einen trockenen Silvaner aus dem Bocksbeutel. Zum Nachtisch wird „Gugelhupf mit Weinschaum“ und ein Glas „Wasserloser Obstbrand“ gereicht.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine geführte Wanderung zum Windpark, bei der die Geologie der Trockenplatte erklärt wird. Zudem wird eine Besichtigung der historischen Brunnen in den verschiedenen Ortsteilen angeboten. Für Interessierte gibt es einen Kurs im Wünschelrutengehen (als historisches Brauchtum). Eine kleine Ausstellung fossiler Funde aus dem Muschelkalk von Wasserlosen im Gemeindezentrum rundet das Event ab. Musikalisch wird der Abend von einer lokalen Jagdhornbläsergruppe untermalt.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden eine gesplitterte Wünschelrute, roter Siegellack, ein Wappen-Manschettenknopf, Gipsstaub, ein Gebetbuch, eine Speicherkarte, Arbeitshandschuhe, Hydrauliköl, ein Tablet-Computer, eine leere Bocksbeutelflasche, eine Metallkiste mit Vorhängeschloss, ein Bolzenschneider, Pergamentdokumente, neonfarbene Textmarker, Quarzkristalle sowie die gedruckten Teilnahmezertifikate.
Passende nächste Überlegung wäre die Festlegung der genauen Standorte für die Indiziensuche zwischen der Zisterne und der Kirche oder die Ausarbeitung der spezifischen Rätselfragen zu den geologischen Markierungen auf dem Tablet.
