Die Geschichte von Rothenburg ob der Tauber wäre unvollständig ohne das dunkle Echo, das nachts in den schmalen Durchlässen der Stadtmauer widerhallt. Wenn die Sonne hinter den Hügeln des Taubertals versinkt und das Kopfsteinpflaster im fahlen Licht der Straßenlaternen glänzt, erwachen die Legenden des Mittelalterlichen Kriminalmuseums. Dieses Haus, das größte seiner Art in Europa, ist kein Ort für schwache Nerven. In seinen gewölbten Kellern lagern die eisernen Zeugen einer Zeit, in der Recht und Unrecht oft nur durch die Schärfe eines Richtschwertes getrennt waren. Die Eiserne Jungfrau, das Prunkstück der Sammlung, steht dort als stumme Mahnerin an die Grausamkeit vergangener Epochen. Doch für die Ermittler im aktuellen Fall ist das Museum mehr als eine Ausstellung; es ist ein Archiv menschlicher Abgründe, in dem die Grenze zwischen historischer Aufarbeitung und der Gier nach verbotenem Wissen verschwimmt.
Sobald die Kirchturmuhr von St. Jakob zur späten Stunde schlägt, tritt eine Gestalt aus dem Schatten des Rathauses, die wie kein anderer das Wissen über die verborgenen Winkel der Stadt hütet: der Nachtwächter. In seinem schweren schwarzen Mantel, die Hellebarde fest im Griff und das Horn um die Schulter, schreitet er durch die Gassen, in denen der Nebel der Tauber wie ein Leichentuch hängt. Er ist der Wächter über den Schlaf der Bürger und der einzige Zeuge für jene Dinge, die sich in der Dunkelheit am Plönlein oder in den Kasematten abspielen.
Sein Ruf „Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen…“ ist in dieser Nacht kein bloßer Touristenbrauch, sondern eine verschlüsselte Botschaft. Der Nachtwächter hat Dinge gesehen, die in keinem Protokoll stehen: Huschende Schatten an der Stadtmauer, das ferne Klirren von Eisen im Burggarten und den verräterischen Schein einer Öllampe in einem Fenster des Rathauses, das eigentlich dunkel sein sollte. Wer seinem Pfad durch das nächtliche Rothenburg folgt, begibt sich auf eine Zeitreise, bei der jeder Schatten ein Verdächtiger und jedes Knarren einer alten Haustür ein Geständnis sein könnte. Im Zusammenspiel mit den makabren Exponaten des Kriminalmuseums bildet der nächtliche Rundgang das Rückgrat der Ermittlungen – denn nur wer die Dunkelheit der Vergangenheit versteht, kann das Licht in der Gegenwart finden.
Benötigte Requisiten (Erweiterung)
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Eine Miniatur-Nachbildung einer Schandmaske als Hinweis.
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Eine schwere Eisenkette mit historischem Vorhängeschloss.
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Das „Dunkle Buch des Nachtwächters“ (handgeschriebene Notizen).
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Eine Hellebarde aus Holz (als Markierung für einen Treffpunkt).
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Ein altes Horn, das bei einer Entdeckung geblasen werden muss.
Auswahl der passenden historischen Gewänder für die Spielleiter als nächste Überlegung.
