Das Erbe der Markgrafen.
Eingebettet zwischen den pulsierenden Städten Fürth und Erlangen im Herzen Mittelfrankens erstreckt sich eine Kulturlandschaft von herber Schönheit: der Rangau. Diese Region ist geprägt von einer sanften Hügellandschaft, in der sich weite Äcker mit dichten Fichten- und Kiefernwäldern abwechseln. Geografisch markiert der Rangau den Übergang vom sandigen Becken der Regnitz hin zu den Ausläufern der Fränkischen Alb. Hier fließen kleine, geschichtsträchtige Wasserläufe wie die Bibert und die Zenn, die das Tal fruchtbar machen und seit Jahrhunderten Mühlen antreiben. Das Besondere am Rangau ist seine tiefe historische Verwurzelung mit dem Haus der Hohenzollern, was sich in prächtigen markgräflichen Bauten, alten Jagdschlössern und wehrhaften Kirchenburgen widerspiegelt. Orte wie Cadolzburg, Roßtal oder Zirndorf bilden das kulturelle Rückgrat dieser Gegend. Die Geografie ist ideal für den Anbau von Getreide und Hopfen, was dem Landstrich den Beinamen „Kornkammer der Markgrafen“ einbrachte. Doch die Ruhe der idyllischen Dörfer täuscht. In den schmalen Gassen, die von typisch fränkischem Fachwerk gesäumt sind, und auf den abgelegenen Waldwegen des Druidenhains oder entlang der alten Handelswege herrscht eine Atmosphäre, die gleichermaßen beschaulich wie geheimnisvoll ist. Das dichte Wegenetz des Rangau-Wanderwegs verbindet einsame Gehöfte, die oft seit Generationen im Familienbesitz sind und deren Bewohner den Ruf haben, eher wortkarg und sehr traditionsbewusst zu sein. Wenn im Herbst die Nebelschwaden von der Regnitz heraufziehen und die Sicht auf die Burgtürme einschränken, wird der Rangau zu einer Bühne für eine Geschichte, die tief in der Vergangenheit der Region gründet.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist der Burggraben der Cadolzburg. Inmitten der gewaltigen Mauern, die einst den markgräflichen Hofstaat schützten, wird ein entscheidendes Beweismittel gefunden: Ein verkrusteter Siegelring, der das Wappen eines längst vergessen geglaubten Adelszweiges aus Mittelfranken trägt. Der Fundort im feuchten Erdreich hinter einem der Wehrtürme deutet darauf hin, dass hier eilig etwas vergraben wurde. Die kühle, fast abweisende Präsenz der Burgmauern verleiht diesem Ort eine historische Schwere, während der Wind, der durch die Zinnen pfeift, die Ermittler frösteln lässt.
Ein zweiter markanter Ort ist das Ufer der Zenn bei einer alten Hammer-Mühle. Zwischen den vom Wasser glatt geschliffenen Steinen verfängt sich ein Stück hochwertiges Pergament, das durch die Feuchtigkeit des Flusses fast zerstört wurde. Dennoch lassen sich darauf die Umrisse einer alten Katasterkarte erkennen, die Grenzverschiebungen im Rangau markiert, die offiziell nie existierten. Das stetige Rauschen des Wehrs übertönt jedes menschliche Geräusch und macht diesen Ort zu einem idealen Treffpunkt für geheime Übergaben, die im Schutz der Dunkelheit stattfanden.
Der dritte Schauplatz ist die Wehrkirche in Roßtal. In der Krypta, die für ihre romanischen Säulen berühmt ist, wird hinter einem losen Stein ein modernes Diktiergerät entdeckt. Die Aufnahmen darauf sind bruchstückhaft, enthalten jedoch heftige Streitgespräche in lokaler Mundart. Die sakrale Stille und der Geruch von Weihrauch und altem Gestein bilden einen scharfen Kontrast zur modernen Technik. Dieser Ort der Besinnung wurde zum Zeugen eines Verrats, der das Vertrauen der gesamten Kirchengemeinde erschüttern könnte.
Als vierter Ort dient ein einsamer Hochstand am Rande des Zirndorfer Stadtwaldes. Auf der Leiter des Hochstandes finden sich frische Lacksplitter in einem ungewöhnlichen Smaragdgrün, die nicht zu den typischen Forstfahrzeugen der Region passen. Von hier aus hat man einen weiten Blick über das Rangau-Plateau bis hin zu den Lichtern von Fürth. Dieser Ausblick wurde genutzt, um Bewegungen im Tal zu überwachen, und die Lacksplitter führen direkt zu einem Fahrzeug, das im Ort für Aufsehen gesorgt hat.
Verdächtige
Friedrich „Fritz“ Holzmann: Ein alteingesessener Landwirt, dessen Hof direkt an die Ländereien der Cadolzburg grenzt. Sein Motiv ist die Erhaltung des Erbes seiner Ahnen. Er glaubte, dass durch neue Ausgrabungen und touristische Erschließungen sein Grund und Boden enteignet werden könnte. Seine Besonderheit ist sein tiefes Misstrauen gegenüber jedem, der kein Fränkisch spricht, und seine Angewohnheit, ständig an einer alten Pfeife zu kauen, die nach schwerem Tabak riecht.
Dr. Sibylle von Ansbach: Eine ehrgeizige Historikerin, die im Auftrag einer Landesstiftung die Archive im Rangau sichtete. Ihr Motiv ist wissenschaftlicher Ruhm und Gier. Sie stieß auf Dokumente, die beweisen, dass unter bestimmten Äckern im Bibertgrund wertvolle archäologische Schätze liegen, die sie illegal verkaufen wollte. Ihre Besonderheit ist ihre kühle, analytische Art und ihr auffälliger smaragdgrüner Geländewagen, mit dem sie oft nachts in den Wäldern unterwegs war.
Hubertus „Hübbi“ Schnell: Der Besitzer eines modernen Sportgeschäfts in Erlangen, der im Rangau großflächige Mountainbike-Strecken und einen Erlebnispark errichten will. Sein Motiv ist rein finanzieller Natur. Das Opfer, ein Naturschutzbeauftragter, verhinderte seine Baupläne konsequent. Schnell wirkt stets überdreht, trägt modernste Funktionskleidung und neigt dazu, seine Gesprächspartner mit technischem Fachwissen zu überrollen, um von seinen wahren Absichten abzulenken.
Konflikt und Geheimnis
Der Konflikt schwelt seit der Zeit, als der Rangau unter der Verwaltung der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach stand. Es existiert ein geheimes Testament, das besagt, dass ein beträchtlicher Teil der Wälder zwischen Fürth und Ansbach rechtmäßig den Nachfahren der einstigen freien Bauern und nicht dem Staat oder dem Adel gehört. Das Opfer hatte dieses Dokument in einem versteckten Fach der Roßtaler Krypta gefunden. Das Geheimnis bedroht nicht nur die aktuellen Besitzverhältnisse, sondern auch die geplanten Bauprojekte von Hubertus Schnell und die wissenschaftlichen Entdeckungen von Dr. von Ansbach. Die tiefere Hintergrundgeschichte ist geprägt von der Spannung zwischen dem Schutz der historischen Wahrheit und der Gier nach modernem Fortschritt und Geld. Jeder der Verdächtigen hat eine persönliche Verbindung zu diesem Land, sei es durch Blut, Wissenschaft oder Profit, und jeder sah im Opfer eine Gefahr für seine Zukunft.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet in der Dämmerung auf dem Aussichtspunkt der Alten Veste statt. Inmitten der historischen Erinnerungen an den Dreißigjährigen Krieg werden die Beteiligten konfrontiert. Durch die Verknüpfung der Indizien – der Siegelring als Zeichen der Abstammung, die Katasterkarte aus der Zenn und die Lacksplitter vom Hochstand – wird ein dichtes Netz gewoben. Der entscheidende Moment ist das Abspielen des Diktiergeräts aus der Krypta. Man hört darauf die Stimme von Dr. von Ansbach, wie sie mit Friedrich Holzmann über die Vernichtung des Testaments verhandelt. Doch es war Friedrich Holzmann, der im Affekt handelte, als das Opfer sich weigerte, Schmiergeld anzunehmen. Er befürchtete, dass die Offenlegung des Testaments zu jahrelangen Prozessen führen würde, die seinen Hof ruiniert hätten. Die Überführung gelingt durch die Aussage von Hubertus Schnell, der – um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen – zugibt, Holzmann in der Tatnacht beim Hochstand gesehen zu haben. Die kühle Logik der Historikerin und die verzweifelte Heimatliebe des Bauern führten zu einer tödlichen Allianz, die im Schatten der Cadolzburg zerbricht.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Die Wahrheit über das Testament wird der Öffentlichkeit übergeben, was zu einer neuen Bewertung der regionalen Geschichte führt. Die Gerechtigkeit siegt über die Gier, und der Rangau bewahrt seine Würde. Jeder Teilnehmer, der bei der Aufklärung geholfen hat, erhält die Auszeichnung „Ritter des Rangau-Siegels“. Dieses Zertifikat würdigt den Scharfsinn und die Beharrlichkeit, mit der die Geheimnisse zwischen Zenn und Bibert gelüftet wurden.
Essen und Trinken
Zur Stärkung der Ermittler wird ein Menü serviert, das die „Kornkammer Frankens“ ehrt. Als Vorspeise gibt es eine Fränkische Hochzeitsuppe mit Leberklößchen und Grießnockerln. Der Hauptgang besteht aus dem berühmten Aischgründer Karpfen, der in dieser Region – besonders im angrenzenden Landkreis Erlangen-Höchstadt – eine lange Tradition hat. Er wird klassisch „gebacken“, in Mehl gewälzt und in Fett schwimmend zubereitet, dazu serviert man einen hausgemachten Kartoffelsalat und einen Beilagensalat mit Kräutern aus dem Knoblauchsland.
Alternativ wird ein kräftiger Sauerbraten gereicht, der mehrere Tage in einer Beize aus Essig und Gewürzen eingelegt wurde, dazu gibt es „echte“ Fränkische Klöße und Rotkohl. Zum Trinken wird ein Bier aus einer der kleinen Brauereien in Roßtal oder Zirndorf ausgeschenkt, vorzugsweise ein süffiges, dunkles Landbier. Als Nachspeise folgen Gebackene Apfelringe mit Zimt und Zucker oder eine Portion Knieküchle, die traditionell mit Puderzucker bestäubt sind. Die Verpflegung ist bodenständig, ehrlich und spiegelt die Vielfalt der landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Rangau wider.
Zusatz-Programmpunkte
Ergänzend zur Ermittlung kann eine Begehung des „Erlebnisweges Wallenstein“ in Zirndorf organisiert werden, um die militärhistorische Bedeutung der Region zu verstehen. Eine Besichtigung der Cadolzburg mit Schwerpunkt auf dem Leben zur Markgrafenzeit bietet tiefere Einblicke in die Hintergründe des Falls. Ein Besuch in einer traditionellen Senfmühle im Rangau oder eine Wanderung durch das wildromantische Biberttal bieten Gelegenheit, die Ermittlungsergebnisse in Ruhe zu diskutieren. Auch ein kleiner Wettbewerb im Armbrustschießen auf der Burg könnte den historischen Kontext spielerisch untermauern.
Benötigte Requisiten
Für die Durchführung des Events werden folgende Gegenstände benötigt: Ein nachgebildeter Siegelring mit Wappen, ein Stück künstlich gealtertes Pergament mit einer handgezeichneten Katasterkarte, ein funktionsfähiges Diktiergerät mit vorproduzierten Tonspuren, smaragdgrüne Lacksplitter auf Klebestreifen, eine Auswahl historischer Urkunden (Faksimiles), UV-Lampen zur Sichtbarmachung von Geheimtinte auf dem Pergament und ein Lageplan des Rangau im Maßstab 1:25.000. Außerdem sollten für jeden Verdächtigen passende Requisiten wie eine alte Pfeife, eine Brille oder moderne Sportaccessoires bereitgehalten werden.
Prüfung der archäologischen Katasterdaten auf weitere unentdeckte Standorte im Bibertgrund als nächster notwendiger Schritt.
