Die Gemeinde Sulzfeld am Main präsentiert sich als eines der besterhaltenen mittelalterlichen Ensembles in ganz Unterfranken und liegt malerisch im südlichen Main-Dreieck im Landkreis Kitzingen. Geografisch wird der Ort durch seine unmittelbare Lage am rechten Ufer des Main geprägt, wobei die geschlossene, spätmittelalterliche Ortsmauer mit ihren 21 Türmen wie ein steinerner Schutzwall gegen die Zeit wirkt. Was Sulzfeld am Main so außergewöhnlich interessant macht, ist die nahezu lückenlose Befestigungsanlage, die den historischen Kern umschließt und dem Ort den Ruf eines „fränkischen Rothenburgs“ am Wasser eingebracht hat.
Die Geografie ist geprägt von den steilen Muschelkalkhängen der Weinlage Sulzfelder Maustal, die zu den renommiertesten Lagen der Region zählen und das Dorf wie ein grünes Amphitheater einrahmen. Historisch gesehen war der Ort ein wichtiger Stützpunkt des Hochstifts Würzburg, was sich in der prächtigen Architektur der ehemaligen Amtshäuser und der barocken Pfarrkirche St. Sebastian widerspiegelt. Die Architektur besticht durch eng verschachtelte Fachwerkhäuser, verwinkelte Gassen und die massiven Türme der Stadtbefestigung, wie den Judenturm oder den Mainturm, die aus dem charakteristischen gelben Sandstein der Umgebung errichtet wurden. In einer Gemeinschaft, die durch den Rhythmus des Weinbaus, die Pflege der Main-Fischerei und eine tiefe Verbundenheit zur fränkischen Gastlichkeit im Landkreis Kitzingen geprägt ist, herrscht eine Atmosphäre von Traditionsbewusstsein und Stolz. Doch hinter der pittoresken Kulisse, wo die berühmte Meterwurst und der kühle Silvaner die Besucher locken, lauern Konflikte, die so tief liegen wie die Fundamente der Stadtmauer. In Sulzfeld am Main weiß man, dass die alten Kelleranlagen oft miteinander verbunden sind und Geheimnisse bergen, die mit der Gier nach verschollenen Dokumenten der Zehntverwaltung und der Manipulation von wertvollen Weinbergsparzellen verknüpft sind. Wenn der Abendnebel vom Main heraufzieht und die Schatten der Türme lang über das Kopfsteinpflaster fallen, offenbart sich, dass hinter der weinseligen Idylle eine gefährliche Dynamik aus altem Unrecht und modernem Ehrgeiz schwelt.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist die historische Stadtmauer beim Judenturm. In einer tiefen Mauernische, direkt hinter einer gelockerten Steinplatte, wird ein beschädigtes Winzermesser mit einem Griff aus geschwärztem Eichenholz gefunden. Das Objekt weist an der Klappmechanik Spuren von bläulichem Siegellack auf sowie winzige Rückstände von getrocknetem Kalkstaub, der eine extrem feine, fast mehlige Konsistenz besitzt – typisch für den Muschelkalk des Maustals. Direkt am Fußweg der Innenseite der Mauer wird eine verlorene Taschenuhr sichergestellt, deren Gehäuse mit einer Gravur des Sulzfelder Wappens versehen ist und deren Glas durch eine massive Krafteinwirkung zersplittert ist, wobei die Zeiger bei genau 23:42 Uhr stehen geblieben sind. Der Boden im Bereich des Turms zeigt Abdrücke von festen Halbschuhen, die eine auffällige Abnutzung an der Außenkante besitzen, in der sich kleine Partikel von Traubenkernschrot und Sandsteinabrieb verfangen haben. Zudem wird ein zerknitterter Notizzettel entdeckt, der die handgeschriebene Warnung trägt: „Kein Tropfen für den Verräter“.
Ein weiterer entscheidender Ort ist der Alte Friedhof vor den Toren der Stadt. In einer hohlen Gruftplatte eines längst aufgelassenen Grabes wird eine verschlossene Metallkassette geborgen. Sie weist Spuren von frischem Schmierfett auf und ist mit einem Wachssiegel verschlossen, das das Abbild einer Weintraube zeigt. Im Inneren der Kassette befinden sich keine Goldmünzen, sondern eine Sammlung von Original-Gemarkungskarten aus dem 18. Jahrhundert, die jedoch mit modernen Silberstiften bearbeitet wurden, um unterirdische Drainagesysteme und alte Kellerzugänge im Bereich des Maustals hervorzuheben. An der Kassette haften Reste von Moos und winzige Fragmente von Schiefer, wie er oft als Bodenbelag in den Kelterhäusern von Unterfranken verwendet wird. In der Nähe wird zudem eine moderne Endoskop-Kamera gefunden, deren Objektivlinse mit dunklem Schimmelstaub verschmiert ist. Ein hier liegender Lederhandschuh weist an der Handfläche Verfärbungen durch altes Fasspich auf.
Der dritte Schauplatz ist das Ufergelände am Main nahe der Anlegestelle. Unter einer umgedrehten Zille wird eine metallene Dokumentenrolle entdeckt. Sie enthält ein Original-Schriftstück über die Fischereirechte im Landkreis Kitzingen, das jedoch mit moderner Geheimtinte am Rand ergänzt wurde. Neben der Rolle liegen Scherben eines Bocksbeutels, an denen Rückstände eines sehr trockenen, kräftigen Silvaners haften, der typisch für die Lagen rund um Sulzfeld ist. Im feuchten Uferschlamm finden sich Abdrücke von Gummistiefeln, die eine auffällige Kerbe im Absatz zeigen und deren Profil mit Algenresten und Muschelschalen verschmiert ist. Zudem wird ein silberner Ansteckpin sichergestellt, der die Form eines Fisches hat und im Holz der Anlegestelle feststeckte.
Der vierte Schauplatz ist der Aussichtspunkt oberhalb der Weinberge. In einer Spalte der Aussichtsplattform wird ein beschädigtes Smartphone gefunden. Das Gerät ist in eine Hülle aus dunklem Loden gehüllt, an der Reste von Kupfersulfat (Reben-Spritzmittel) haften. Auf dem Display ist als letztes Bild eine Aufnahme eines versteckten Tunneleingangs unter dem Rathaus zu sehen. An dem Smartphone kleben kleine Fragmente von Keupersandstein. Ein in der Nähe gefundener Spaten weist eine scharfe Metallkante auf, die mit frischem Lehm verschmiert ist. Zudem finden sich dort Reste eines alten Hanfseils, das einen intensiven Geruch nach Teer verströmt.
Verdächtige
Gottfried Gutedel, ein alteingesessener Winzermeister aus Sulzfeld, dessen Familie seit Generationen im Maustal Wein anbaut. Sein Motiv ist Existenzangst. Er entdeckte, dass durch eine historische Fehlplanung der Entwässerung seine besten Rebstöcke zu ertrinken drohen, und suchte in den alten Karten nach einer Lösung, um das Wasser heimlich auf die Felder seines Nachbarn umzuleiten. Seine Besonderheit ist sein hinkender Gang und die ständige Verwendung von Fasspich zur Reparatur seiner alten Bottiche, was ihn mit dem Lederhandschuh verbindet. Er besitzt die Taschenuhr mit dem Gemeindewappen.
Berta Barsch, eine energische Fischereiaufseherin, die den Main-Abschnitt zwischen Kitzingen und Sulzfeld kontrolliert. Ihr Motiv ist Rache. Sie stieß auf die Dokumentenrolle und vermutete, dass illegale Einleitungen aus den Kellern die Fischbestände gefährden. Sie wollte die Verursacher erpressen, um den Bau eines neuen Fischereimuseums zu finanzieren. Ihre Besonderheit ist ihre Wetterfestigkeit und das ständige Tragen von Gummistiefeln mit einer markanten Kerbe, was sie mit den Spuren am Mainufer verbindet. Sie besitzt den silbernen Fisch-Ansteckpin.
Konrad Kustos, der ehrenamtliche Archivar der Gemeinde und leidenschaftliche Heimatforscher. Sein Motiv ist wissenschaftlicher Größenwahn. Er glaubt, einen Hinweis auf das „Zehnt-Gold“ des Hochstifts gefunden zu haben, das angeblich im Kellerlabyrinth von Sulzfeld versteckt wurde. Er nutzte moderne Technik, um die alten Mauern zu scannen. Seine Besonderheit ist sein extremes technisches Interesse und die Nutzung von UV-Licht für seine Archivarbeiten, was die Endoskop-Kamera und die manipulierten Karten erklärt. Er besitzt den Spaten.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefe Konflikt dreht sich um das „Sulzfelder Wein-Arkanum“. Es handelt sich um ein geheimes Abkommen aus der Zeit der Säkularisation, das die wahren Besitzverhältnisse der besten Lagen im Main-Dreieck dokumentiert. Das Geheimnis ist, dass dieses Dokument Hinweise auf einen unterirdischen Gang enthält, der direkt vom Rathaus unter der Stadtmauer hindurch in die Weinberge führt und als Fluchtweg für die Zehntgrafen diente. Das Opfer, ein junger Vermessungsingenieur aus Würzburg, hatte bei digitalen Kartierungsarbeiten die Hohlräume unter der Stadtmauer entdeckt und die Verbindung zum Arkanum hergestellt. Er wurde getötet, weil sein Wissen sowohl die illegalen Entwässerungspläne von Gottfried Gutedel als auch die Schatzsuche von Konrad Kustos gefährdete, während Berta Barsch das Opfer für einen Industriespion hielt.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während der Sulzfelder Weinparade auf dem Marktplatz statt. Vor den Augen der Gäste präsentieren die Ermittler die Beweiskette. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch das Winzermesser. Die bläulichen Siegellackspuren an der Klinge weisen eine chemische Signatur auf, die exakt mit dem modernen Lack übereinstimmt, den Konrad Kustos zur Versiegelung seiner Archivkartons nutzt – er hatte das Messer aus Gottfrieds Werkstatt entwendet, um die Metallkassette am Friedhof aufzubrechen. Als Berta Barsch versucht, das Smartphone im Main zu versenken, präsentieren die Ermittler das Fasspich. Es stellt sich heraus, dass Gottfried Gutedel das Opfer am Judenturm überraschte und es im Streit gegen die Stadtmauer stieß, wobei die Taschenuhr zersplitterte. Er wollte die Tat Konrad Kustos unterschieben, indem er dessen Spaten am Tatort platzierte. Doch der wahre Mörder wird durch das Kupfersulfat überführt: Gottfried Gutedel trug zum Tatzeitpunkt seine Arbeitskleidung, die frische Spuren des Spritzmittels aufwies, die sich auch an der Kleidung des Opfers fanden. Berta Barsch hatte lediglich geholfen, die Leiche zum Mainufer zu transportieren, um von den Ermittlungen in den Weinbergen abzulenken.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Die historischen Gemarkungskarten werden gesichert und dem Archiv in Kitzingen übergeben, die Entwässerung im Maustal wird rechtmäßig instand gesetzt und der dörfliche Frieden in Sulzfeld ist wiederhergestellt. Die Teilnehmer werden für ihren analytischen Scharfsinn geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Ritter der Sulzfelder Stadtmauer“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare für das Main-Dreieck und Experten für unterfränkische Regionalgeschichte.
Essen und Trinken
Das Menü zelebriert die kulinarische Tradition von Sulzfeld am Main. Als Vorspeise wird eine „Main-Fischsuppe“ mit frischem Dill serviert. Der Hauptgang ist das unangefochtene Original des Ortes: Die „Sulzfelder Meterwurst“ auf einem Holzbrett serviert, dazu gibt es hausgemachtes Sauerkraut und kräftiges Bauernbrot. Alternativ wird ein „Winzersteak“ in Silvanersoße angeboten. Zum Trinken wird ein kühler Silvaner oder ein Müller-Thurgau aus dem Maustal gereicht. Zum Nachtisch gibt es „Weingelee“ mit Vanillesoße und einen Digestif aus heimischen Weinhefen.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine geführte Wanderung auf dem Sylvaner-Lehrpfad durch das Sulzfelder Maustal. Zudem wird eine Nachtwächterführung entlang der Stadtmauer mit Besteigung eines der Wehrtürme angeboten. Für Geschichtsinteressierte gibt es eine Weinprobe in einem historischen Gewölbekeller mit Erläuterungen zur Zehntgeschichte. Ein kleiner Bauernmarkt am Mainufer präsentiert zudem die Vielfalt der regionalen Erzeugnisse aus dem Landkreis Kitzingen.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden ein (Replik-)Winzermesser mit blauen Lackresten, eine zersplitterte Taschenuhr, eine Metallkassette mit Schmierfett, Gemarkungskarten (bearbeitet), eine Endoskop-Kamera, eine metallene Dokumentenrolle, Bocksbeutel-Scherben, ein silberner Fisch-Ansteckpin, ein Smartphone in Lodenhülle, ein verschmutzter Spaten, Teerseil sowie die gedruckten Urkunden für die Teilnehmer.
Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde bezüglich der Begehung der unterirdischen Verbindungsgänge beim Rathaus als nächste notwendige Überlegung.
