Die Gemeinde Wartmannsroth liegt im idyllischen Herzen der Bayerischen Rhön, im nordwestlichen Teil des Landkreises Bad Kissingen. Geografisch erstreckt sich der Ort über eine wellige Hochfläche, die von den tief eingeschnittenen Tälern der Schondra und der Saale flankiert wird. Eine absolute Besonderheit von Wartmannsroth ist sein Ruf als das „Bayerische Dorf der Edelbrenner“. Nirgendwo sonst in Franken findet sich eine solche Dichte an handwerklichen Destillerien, die aus den Früchten der regionalen Streuobstwiesen hochprozentige Kunstwerke erschaffen. Die Geschichte des Ortes ist untrennbar mit dem Recht des Brennens verbunden, das seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben wird. Das Ortsbild ist geprägt von stattlichen Bauernhöfen, die oft eine eigene Brennerei im Nebengebäude beherbergen, und der markanten Pfarrkirche St. Andreas.
Die Geografie der Umgebung bietet eine raue Schönheit: weite Weideflächen, dichte Buchenwälder und die typischen Basaltkuppen der Rhön, die in der Ferne emporragen. Wartmannsroth ist ein Ort, an dem das Handwerk noch Ehrensache ist und die Qualität eines Brandes über das Ansehen einer ganzen Familie entscheiden kann. Doch in dieser Welt der feinen Aromen und glänzenden Kupferkessel schwelen oft Neid und alte Rivalitäten. Wenn der Duft von vergorenen Maischen in der Luft liegt und der Herbstnebel aus dem Schondratal heraufzieht, wird deutlich, dass hinter der gläsernen Reinheit der Destillate manchmal trübe Absichten lauern. In einer Gemeinde, die so stolz auf ihre flüssigen Schätze ist, führt ein Verrat an der Tradition unweigerlich zu einer Katastrophe.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist ein historischer Gewölbekeller einer traditionsreichen Brennerei am Ortsrand. Zwischen alten Eichenfässern wird ein beschädigtes Alkoholmeter gefunden. Das empfindliche Glasgerät ist zerbrochen, und in den Trümmern finden sich Rückstände einer Substanz, die nach Bittermandel riecht – ein Aroma, das in dieser Reinheit nicht in einen klassischen Obstbrand gehört. Auf einem der Fassdeckel liegt ein verlorener Schlüsselbund, an dem ein kleiner Anhänger in Form einer Rhön-Distel hängt. Der Boden ist mit klebrigen Resten von Birnenmaische bedeckt, in der sich deutliche Abdrücke von Gummistiefeln mit einem groben Profil finden.
Ein weiterer entscheidender Ort ist der Brennerweg, ein Wanderpfad, der die verschiedenen Destillerien von Wartmannsroth verbindet. In einer hohlen Eiche am Wegesrand wird eine verschlossene Kupferdousen (eine traditionelle Dose) entdeckt. In ihr befindet sich eine handgeschriebene Rezeptur für einen legendären Kräuterlikör, die jedoch mit modernen chemischen Symbolen für synthetische Aromen ergänzt wurde. An der Dose kleben Blütenpollen des Schwarzen Holunders, der im Bereich der Schondra-Auen besonders üppig wächst. In der Nähe der Eiche wird zudem ein zerknitterter Lieferbeleg eines Chemiegroßhandels aus Frankfurt sichergestellt.
Der dritte Schauplatz ist die Aussichtsplattform am Waizenbach, von der man einen weiten Blick über die Streuobstwiesen hat. Dort wird ein hochwertiges Spektiv gefunden, dessen Stativ verbogen ist. Neben dem Gerät liegt eine leere Patronenhülse, die jedoch keine Spuren von Schwarzpulver aufweist, sondern nach einem betäubenden Gas riecht. Auf der Plattform finden sich zudem Abdrücke von Wanderschuhen, die eine sehr feine, fast elegante Sohle haben. Ein hier gefundener Notizzettel listet die Erntezeiten verschiedener alter Apfelsorten auf, wobei die Sorte „Roter Berlepsch“ aggressiv durchgestrichen wurde.
Der vierte Schauplatz ist die Alte Mühle an der Schondra. Im rauschenden Wasser des Mühlbachs verfangen liegt ein wasserfester Seesack. Er enthält mehrere leere Glasflaschen, die bereits mit Etiketten einer preisgekrönten Wartmannsrother Marke beklebt sind, aber noch keinen Inhalt haben. An den Verschlüssen kleben Reste von blauem Siegellack, der untypisch für die regionale Produktion ist. Zudem findet sich im Sack eine Anleitung für eine Abfüllanlage, die für den mobilen Einsatz auf einem LKW konzipiert ist. Im Schlamm des Ufers liegen zudem Reste von Kupferdraht und ein kleines Medaillon mit dem Bildnis des Heiligen Kilian.
Verdächtige
Balthasar Brand ist ein Altbrenner, der für seinen extremen Stolz auf die Reinheit seiner Destillate bekannt ist. Sein Motiv ist die Bestrafung von „Fälschern“. Er beobachtete mit Abscheu, wie einige Betriebe versuchten, die Produktion durch chemische Zusätze zu beschleunigen. Er wollte diese Betriebe sabotieren, um das Ansehen von Wartmannsroth zu retten. Seine Besonderheit ist sein tiefes Wissen über historische Kräuterrezepturen und sein ständiges Tragen eines Kilians-Medaillons, was ihn mit dem Fund an der Mühle verknüpft.
Silvia Sprit ist eine junge, zugezogene Marketingexpertin, die für eine Genossenschaft arbeitet. Ihr Motiv ist die Gewinnmaximierung durch Massenproduktion. Sie plante, billigen Industriealkohol in die edlen Flaschen von Wartmannsroth abzufüllen, um den Weltmarkt zu erobern. Sie nutzte das Spektiv, um die Bestände auf den Wiesen zu kontrollieren und den richtigen Zeitpunkt für den heimlichen Austausch der Ware abzupassen. Ihre Besonderheit ist ihr eleganter Kleidungsstil, der nicht zum ländlichen Umfeld passt, und ihre Vorliebe für exotische Duftöle, was den Bittermandelgeruch erklärt.
Georg Gärung ist ein ortsansässiger Großgrundbesitzer, der die meisten Streuobstwiesen verpachtet. Sein Motiv ist Erpressung. Er wusste von den Plänen von Silvia Sprit und forderte einen Anteil am Gewinn. Gleichzeitig manipulierte er die Lieferbelege, um Balthasar Brand die Schuld an den chemischen Zusätzen zuzuschieben. Seine Besonderheit ist seine Leidenschaft für die Jagd im Schondratal und sein Besitz von schwerem Gerät, was die Reifen- und Stiefelspuren an den Tatorten erklärt.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefe Konflikt dreht sich um das „Flüssige Gold der Rhön“. Es existiert ein uraltes Abkommen unter den Wartmannsrother Brennern, das die Verwendung jeglicher künstlicher Stoffe unter Todesstrafe (im übertragenen Sinne des sozialen Ausschlusses) verbietet. Das Geheimnis ist, dass Silvia Sprit und Georg Gärung bereits eine mobile Abfüllanlage im Wald versteckt hatten, um eine riesige Charge „Fake-Brand“ zu produzieren. Das Opfer, ein junger Kontrolleur der Zollbehörde, hatte die chemischen Rückstände im Alkoholmeter von Silvia Sprit entdeckt und wollte die Anlage stilllegen. Er wurde getötet, weil er kurz davor stand, das gesamte Netzwerk der Produktpiraterie aufzudecken, was den finanziellen Ruin für Georg und die Verhaftung für Silvia bedeutet hätte.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während der Prämierung des „Goldenen Edelbrandes“ im Gemeindezentrum von Wartmannsroth statt. Vor den versammelten Brennmeistern und Gästen werden die Beweise präsentiert. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch das Alkoholmeter. Die chemische Analyse der Bittermandelrückstände beweist, dass es sich um einen künstlichen Aromastoff handelt, der nur in Silvias Labor verwendet wurde. Als Georg Gärung versucht, sich herauszureden, präsentieren die Ermittler den Distel-Anhänger vom Schlüsselbund, der in seinem Gummistiefel-Abdruck im Gewölbekeller gefunden wurde. Doch der finale Schlag erfolgt durch den Lieferbeleg aus Frankfurt. Die darauf verzeichnete Kundennummer gehört zu einer Scheinfirma von Georg Gärung. Balthasar Brand wird entlastet, da sein Kilians-Medaillon vom Opfer als stummer Zeuge am Fundort des Seesacks platziert wurde, um auf die Mühle hinzuweisen. Es stellt sich heraus, dass Georg das Opfer mit dem Betäubungsgas auf der Aussichtsplattform überwältigte und Silvia die tödliche Dosis des konzentrierten Bittermandel-Aromas verabreichte.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Die Tradition der Edelbrenner von Wartmannsroth ist gerettet, die schwarzen Schafe sind überführt und die mobile Abfüllanlage wurde beschlagnahmt. Die Teilnehmer des Krimi-Events werden für ihren feinen Geruchssinn und ihre scharfe Beobachtungsgabe geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Hüter des Wartmannsrother Reinheitsgebots“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare der Rhön und Experten für destillative Kriminalistik.
Essen und Trinken
Das Menü ist eine Hommage an die Produkte der Rhöner Streuobstwiesen. Als Vorspeise wird eine „Wartmannsrother Apfelschaumsuppe“ mit geräuchertem Forellenfilet aus der Schondra serviert. Der Hauptgang besteht aus „Rhönlamm-Rücken“ in einer feinen Quitten-Senn-Kruste, dazu gibt es hausgemachte Kartoffelplätzchen und in Butter geschwenktes Marktgemüse. Für Vegetarier werden „Gebackene Holunderblüten-Küchle“ mit einem pikanten Kräuterdipp angeboten. Zum Trinken wird ein Rhöner Landbier oder ein spritziger Apfelwein gereicht. Zum Nachtisch gibt es „Birnen-Mousse“, verfeinert mit einem Tropfen des echten Wartmannsrother Williams-Christ-Brandes.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine geführte Wanderung auf dem Brennerweg, bei der die verschiedenen Obstarten und die Technik des Brennens erläutert werden. Zudem wird eine Besichtigung einer Destillerie angeboten, inklusive einer kleinen Sensorik-Schulung. Für Naturinteressierte gibt es eine Exkursion in das Schondratal, um die Flora und Fauna der Flussauen kennenzulernen. Ein kleiner Markt der regionalen Erzeugnisse am Dorfplatz bietet die Möglichkeit, die echten Brände von Wartmannsroth zu erwerben.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden ein zerbrochenes Alkoholmeter, Proben von Bittermandel-Aroma, ein Schlüsselbund mit Distel-Anhänger, eine Kupferdousen mit alten Rezepten, Holunderpollen (gelbes Puder), ein Lieferbeleg, ein Spektiv, eine (leere) Gaspistolen-Hülse, ein Seesack mit etikettierten Flaschen, blaues Siegelwachs, ein Kilians-Medaillon sowie die gedruckten Teilnahmezertifikate.
Passende nächste Überlegung wäre die Festlegung der genauen Stationen für die interaktive Spurensuche entlang des Brennerwegs oder die Auswahl der Brennerei, in der das kulinarische Finale stattfinden soll.
