Die Doppelgemeinde Viereth-Trunstadt liegt als westliches Tor zum Landkreis Bamberg an einer strategisch bedeutsamen Stelle im Herzen von Oberfranken. Geografisch wird der Ort maßgeblich durch den weiten Lauf des Main geprägt, der sich hier durch das Tal schmiegt und die Grenze zum bewaldeten Steigerwald im Süden sowie den sanften Hügeln der Haßberge im Norden markiert. Eine absolute Besonderheit von Viereth-Trunstadt ist die markante Zweigeteiltheit: Während Viereth durch seine Nähe zum Fluss und die monumentale Staustufe Viereth, ein technisches Meisterwerk der Schifffahrt, definiert wird, besticht Trunstadt durch seinen herrschaftlichen Charakter, der im imposanten Schloss Trunstadt und dessen historischem Ensemble seinen Ausdruck findet. Die Geografie ist geprägt von den fruchtbaren Auen des Maintals, die seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt werden, und den aufsteigenden Hängen, die einen weiten Blick über die Region bis hin zur Giechburg ermöglichen. Historisch gesehen war der Ort ein wichtiger Knotenpunkt für die Treidelschifffahrt und den Handel zwischen der Domstadt Bamberg und dem unterfränkischen Raum. Die Architektur spiegelt diesen Reichtum wider, von den massiven Sandsteinbauten der alten Brauereien bis hin zu den sakralen Schätzen der Pfarrkirchen.
In einer Gemeinde, in der das Wasser des Main das Tempo vorgibt und die alten Adelsgeschlechter der Freiherren von Voit über Jahrhunderte das Sagen hatten, ist ein tiefes Bewusstsein für Hierarchie und Tradition verwurzelt. Doch unter der Oberfläche der beschaulichen Flusslandschaft gären alte Konflikte. Wenn der Wind das Rauschen des Wehrs bis in die Schlossgassen trägt und die Schatten der alten Brauereikamine länger werden, offenbart sich, dass die Verbindung zwischen den Ortsteilen nicht nur durch Brücken, sondern auch durch dunkle Geheimnisse aus der Zeit der Flussregulierung zusammengehalten wird. In Viereth-Trunstadt wiegt das Wort eines Nachbarn schwer, und das Brechen eines alten Versprechens kann hier Wellen schlagen, die weit über das Mainufer hinausreichen.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist die Staustufe Viereth. Im Bereich des alten Schleusenwärterhäuschens, versteckt hinter einer verrosteten Metallklappe am Wartungsschacht, wird ein beschädigter Peilstab aus Aluminium gefunden. Das Instrument weist an der Messskala Spuren von bläulicher Schmierseife auf, die ungewöhnlich stark nach Anis riecht. Direkt neben der Fundstelle wird eine verlorene Taschenlampe sichergestellt, deren Gehäuse mit feinem Flussschlamm bedeckt ist und deren Glas einen Riss in Form eines Blitzes aufweist. Der Boden zeigt Abdrücke von Gummistiefeln, die ein sehr flaches Wellenprofil besitzen, in dem sich winzige Partikel von Betonstaub verfangen haben. Zudem wird ein hastig weggeworfener Notizzettel entdeckt, der die Aufschrift „Pegelstand 1925 – Das Versteck im Wehr“ trägt.
Ein weiterer entscheidender Ort ist der Schlosshof von Trunstadt. Hinter einem der massiven Pfeiler der Schlossmauer wird eine verschlossene Holzkiste geborgen. Sie ist mit einem Brandzeichen versehen, das zwei gekreuzte Fische zeigt. Im Inneren der Kiste befinden sich keine Juwelen, sondern eine Sammlung von historischen Treidelverträgen, die jedoch mit moderner UV-Farbe markiert wurden, um bestimmte Passagen hervorzuheben. An der Kiste kleben Reste von altem Spinnweben-Staub und kleine Fragmente von Schiefer, wie er zur Eindeckung des Schlossturms verwendet wird. In der Nähe wird zudem eine moderne Speicherkarte gefunden, die in eine kleine Plastikhülle mit dem Aufdruck einer lokalen Brauerei gesteckt wurde. Ein hier liegender Arbeitshandschuh weist an der Innenseite Verfärbungen durch Hopfenextrakt auf.
Der dritte Schauplatz ist der Treidelpfad am Mainufer zwischen den beiden Ortsteilen. In einem hohlen Weidenstamm direkt am Wasser wird eine metallene Dokumentenrolle entdeckt. Sie enthält ein Original-Schriftstück über die Fischereirechte im Main, das jedoch mit moderner Geheimtinte am Rand kommentiert wurde. Neben der Rolle liegen Scherben eines Steinkruges, an denen Rückstände eines dunklen, malzigen Bieres haften. Im weichen Uferboden finden sich Abdrücke von festen Halbschuhen, die eine orthopädische Erhöhung am rechten Absatz zeigen. Zudem wird ein silberner Manschettenknopf sichergestellt, der die Form eines Ankers hat und in einer Pfütze aus eingetrocknetem Wachs steckt.
Der vierte Schauplatz ist der alte Eiskeller einer ehemaligen Brauerei in Viereth. In einer Mauernische hinter einem verfallenen Holzfass wird ein beschädigtes Funkgerät gefunden. Das Gerät ist auf einen Kanal eingestellt, der früher für die Kommunikation auf Binnenschiffen genutzt wurde. An dem Funkgerät haften Reste von Kalkmörtel und Spuren von Salpeter, wie er in feuchten Kellergewölben vorkommt. Ein in der Nähe gefundener Geologenhammer weist eine Gravur auf, die auf eine Baustelle in Bamberg hindeutet. Zudem finden sich dort Reste einer Signalfackel, die bei ihrer Verbrennung einen violetten Rauch erzeugt hat, dessen Rückstände noch am Boden sichtbar sind.
Verdächtige
Arthur Anker ist ein pensionierter Schleusenwärter, der sein ganzes Leben an der Staustufe Viereth verbracht hat. Sein Motiv ist die Bewahrung der Familienehre. Er glaubt, dass seine Vorfahren beim Bau der Staustufe um ihr Land betrogen wurden und suchte nach Beweisen im Wehr. Seine Besonderheit ist sein hinkender Gang, was die asymmetrischen Abdrücke am Treidelpfad erklärt. Er trägt aus Nostalgie stets seine alten Dienstmanschettenknöpfe mit Ankermotiv.
Beate Brauer ist die Inhaberin einer traditionsreichen Gastwirtschaft in Viereth-Trunstadt. Ihr Motiv ist wirtschaftliches Überleben. Sie wollte das Schlossgelände für eine moderne Event-Brauerei nutzen und stieß dabei auf Dokumente, die beweisen, dass Teile des Schlosses eigentlich der Gemeinde gehören. Ihre Besonderheit ist ihre kräftige Statur und der ständige Umgang mit Hopfen und Malz, was die Spuren am Arbeitshandschuh und den Biergeruch am Treidelpfad erklärt. Sie nutzt oft Gummistiefel für die Arbeit im feuchten Keller.
Konrad Kustos ist ein Hobby-Historiker und Sammler von Schifffahrts-Memorabilia. Sein Motiv ist wissenschaftlicher Fanatismus. Er wollte das „Geheimnis der Treidelpfade“ lüften und die Original-Verträge gewinnbringend an ein Museum verkaufen. Seine Besonderheit ist seine Vorliebe für technische Spielereien und UV-Licht-Untersuchungen, was die Markierungen auf den Verträgen und die Speicherkarte erklärt. Er besitzt ein umfangreiches Lager an alten Funkgeräten und Geologenwerkzeugen.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefe Konflikt dreht sich um das „Main-Privileg von 1925“. Es handelt sich um ein vergessenes Dokument, das während der großen Flussregulierung im Fundament der Staustufe Viereth eingemauert wurde. Das Geheimnis ist, dass dieses Dokument nicht nur Wasserrechte, sondern auch das Eigentum an den Goldvorkommen im Flusssand regelt, die durch die Strömung am Wehr angereichert werden. Das Opfer, ein junger Bauingenieur der Wasserstraßenverwaltung, hatte bei einer Routineuntersuchung des Wehrs einen Hohlraum entdeckt, in dem das Dokument und eine Kiste mit historischem Goldstaub versteckt waren. Er wurde getötet, weil er die Funde offiziell melden wollte, was die finanziellen Interessen von Beate Brauer und die geschichtliche Besessenheit von Konrad Kustos bedrohte, während Arthur Anker den Ingenieur für einen Eindringling hielt, der das Erbe seiner Vorfahren plündern wollte.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während des Mainuferfestes auf der Wiese zwischen Viereth und Trunstadt statt. Vor den Augen der Festgäste werden die Indizien präsentiert. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch den Peilstab. Die bläuliche Schmierseife mit Anisgeruch ist ein spezielles Lockmittel für Fische, das Arthur Anker für sein Hobby nutzt und mit dem er den Stab markiert hatte, um seinen Claim im Wehr abzustecken. Als Beate Brauer versucht, Arthur die Schuld zu schieben, präsentieren die Ermittler den Arbeitshandschuh mit Hopfenextrakt. Dieser wurde in der Nähe der Leiche am Wehr gefunden. Doch der wahre Mörder wird durch die Speicherkartendaten überführt. Die Aufnahmen zeigen, wie Konrad Kustos das Opfer im Eiskeller mit dem Geologenhammer bedrohte. Es stellt sich heraus, dass Konrad Kustos das Opfer am Wehr überraschte und es im Streit um die Dokumentenrolle überwältigte. Beate Brauer half ihm, die Beweise im Schloss zu verstecken, im Austausch für die Exklusivrechte an den historischen Braudokumenten. Arthur Anker hatte lediglich versucht, das Wehr mit dem Funkgerät zu überwachen und wurde so zum unfreiwilligen Zeugen.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Die Rechte am Main werden neu geordnet, das historische Gold wird dem Museum in Bamberg übergeben und der Frieden in Viereth-Trunstadt kehrt zurück. Die Teilnehmer werden für ihren scharfen Verstand geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Großsiegel-Wächter vom Maintal“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare für Oberfranken und Experten für flusshistorische Kriminalistik.
Essen und Trinken
Das Menü ist eine Hommage an die Region und das Leben am Fluss. Als Vorspeise wird eine „Mainfischer-Suppe“ mit Kräutern aus den Auen serviert. Der Hauptgang besteht aus „Fränkischem Karpfen blau“ oder einem saftigen „Brauhaus-Gulasch“ in Dunkelbiersoße, dazu gibt es hausgemachte Klöße und einen Endivien-Kartoffelsalat. Für Vegetarier werden „Gebackene Sellerieschnitzel“ mit Remouladensoße angeboten. Zum Trinken wird ein kühles Lagerbier einer lokalen Brauerei oder ein spritziger Apfelsaft von den Streuobstwiesen gereicht. Zum Nachtisch gibt es „Bieramisu“ (eine fränkische Variante des Klassikers) und einen Digestif aus heimischen Zwetschgen.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine geführte Besichtigung der Staustufe Viereth, bei der die Technik der Schifffahrt erläutert wird. Zudem wird eine Schlossführung in Trunstadt mit Zugang zu den historischen Kellern angeboten. Für Naturinteressierte gibt es eine Vogelbeobachtungstour am Mainufer, um die Tierwelt des Maintals kennenzulernen. Ein kleiner Handwerkermarkt auf dem Festplatz zeigt zudem die Kunst der Netzflicker und Fassmacher aus der Region.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden ein beschädigter Peilstab, eine Taschenlampe mit Blitz-Riss, eine Holzkiste mit Fisch-Brandzeichen, Treidelverträge (Repliken), ein Arbeitshandschuh, eine Dokumentenrolle, Steinkrug-Scherben, ein Anker-Manschettenknopf, ein altes Funkgerät, ein Geologenhammer sowie die gedruckten Urkunden für die Teilnehmer.
Passende nächste Überlegung wäre die Prüfung der Genehmigung für eine kurzzeitige Begehung des Schleusengeländes durch die Teilnehmergruppen unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
