Die Industrielle Perle am Tor zum Fichtelgebirge
Die Stadt Rehau, gelegen im oberfränkischen Landkreis Hof, ist ein Ort, der wie kaum ein zweiter in Franken den Brückenschlag zwischen traditionsreichem Handwerk und hochmoderner Industrie verkörpert. Geografisch markiert Rehau einen strategisch bedeutsamen Punkt am nordöstlichen Rand des Fichtelgebirges, dort wo die sanften Hügel des Vogtlandes in das raue Granitmassiv der Region übergehen. Die Stadt wird durchflossen von der Schwester, einem kleinen, aber geschichtsträchtigen Flusslauf, und liegt eingebettet in ein Landschaftsbild aus dichten Fichtenwäldern und weiten Wiesentälern.
Was Rehau so außergewöhnlich macht, ist seine Geschichte als „Stadt des Porzellans“ und später als globales Zentrum der Kunststoffverarbeitung. Die Architektur im Stadtkern ist geprägt von den Spuren des großen Stadtbrandes von 1817, wonach der Ort in einer strengen, fast klassizistischen Rasterform wiederaufgebaut wurde – eine Besonderheit im ansonsten eher verwinkelten Oberfranken. In dieser Kulisse aus industrieller Präzision, der Nähe zur tschechischen Grenze im Egerland und dem Erbe der Porzelliner ereignet sich ein Kriminalfall, der die Stadt in ihren Grundfesten erschüttert. Wenn die Nebelschwaden vom Großen Kornberg herabziehen und sich über die Fabrikhallen und das Kunsthaus Rehau legen, erwacht ein Geheimnis zum Leben, das besser in den Brennöfen der Vergangenheit geblieben wäre.
Schauplätze: Orte des Verbrechens und der Beweisaufnahme
Das Maxplatz-Areal im Stadtzentrum Auf dem zentralen Maxplatz, dem architektonischen Herzstück des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand, wird am frühen Morgen ein lebloser Körper gefunden. Es handelt sich um einen Experten für Industriespionage, der offiziell als Berater für Kunststofftechnik tätig war. Als zentrales Beweismittel wird eine zerbrochene Scherbe aus hauchdünnem Porzellan sichergestellt. Die Scherbe trägt eine Markierung, die auf eine längst geschlossene Manufaktur aus der Region hindeutet. Am Fundort findet sich zudem ein feiner Film aus schwarzem Graphitstaub, der in dieser Reinheit nur in spezialisierten Prüflaboren für Hochleistungspolymere verwendet wird.
Der Wanderweg zum Perlenbach In den schattigen Auen des Perlenbachs, bekannt für das historische Vorkommen der Flussperlmuschel, entdecken die Teilnehmer ein verlassenes Versteck unter einer alten Weide. Ein wichtiges Beweismittel ist hier ein wasserdichter Beutel, der eine Liste von chemischen Formeln enthält. Diese Notizen beschreiben jedoch keinen Kunststoff, sondern ein historisches Verfahren zur Glasurbindung. Ein entscheidendes Indiz ist ein hier gefundener Arbeitsschuh, in dessen Profil sich winzige Splitter von Granit und Reste von Heidelbeerkraut verfangen haben, was auf einen Aufenthalt in den höheren Lagen des Fichtelgebirges schließen lässt.
Das Kunsthaus Rehau Inmitten der Ausstellungsräume des Kunsthauses, das für seine konstruktivistische Kunst überregional bekannt ist, stößt die Spurensicherung auf eine Manipulation an einer Skulptur. Ein wichtiges Beweismittel ist eine kleine Dose mit einer unbekannten Flüssigkeit, die intensiv nach Bittermandeln riecht – ein Anzeichen für hochkonzentrierte Blausäureverbindungen, die früher in der Porzellanmalerei zum Einsatz kamen. In der Nähe der Skulptur liegt ein zerrissenes Notizblatt mit dem Logo eines Hotels aus Hof, auf dem die Worte „Das Porzellan schmilzt nicht“ hastig niedergeschrieben wurden.
Die Ruine auf dem Kleinen Kulm Auf dem markanten Aussichtspunkt oberhalb der Stadt findet die finale Beweisaufnahme statt. Zwischen den Trümmern einer alten Befestigung liegt ein moderner Tablet-Computer mit verschlüsselten Standortdaten. Ein entscheidendes Beweismittel ist ein hier gefundener Schlüsselanhänger in Form eines kleinen Rehs, dem Wappentier von Rehau. Der Anhänger ist mit einer Substanz beschmiert, die sich als Kaolin herausstellt – die weiße Erde, die das Fundament der Porzellanherstellung bildet und heute noch in einigen Gruben der Oberpfalz und Frankens abgebaut wird.
Verdächtige: Motive und Abgründe
Dr. Arndt Polymer (56) Ein leitender Chemiker eines der großen Industriebetriebe in Rehau. Sein Motiv ist purer wissenschaftlicher Ehrgeiz gepaart mit Existenzangst. Er hatte entdeckt, dass ein historisches Porzellanrezept der Schlüssel zu einem neuen, biologisch abbaubaren Super-Kunststoff ist, und wollte die Entdeckung exklusiv verkaufen. Besonderheit: Er leidet unter chronischem Reizhusten und benutzt ständig Graphitstifte für seine Berechnungen. Der Staub am Maxplatz belastet ihn schwer.
Elena Eger (42) Eine Kuratorin, die zwischen Rehau und dem tschechischen Eger pendelt. Ihr Motiv ist der Erhalt des kulturellen Erbes. Sie wollte verhindern, dass das Porzellanwissen ihrer Vorfahren für industrielle Zwecke „missbraucht“ wird. Besonderheit: Sie trägt oft Kleidung in Porzellanfarben (Blau-Weiß) und kennt sich exzellent mit historischen Giften aus der Porzellanmalerei aus. Die Flüssigkeit im Kunsthaus weist auf ihre Fachkenntnisse hin.
Heiko Hüttenwart (35) Ein Ranger und Führer am Großen Kornberg, der die Wälder um Rehau wie seine Westentasche kennt. Sein Motiv ist Habgier. Er hatte die Chemiker bei ihren geheimen Treffen im Wald beobachtet und versucht, beide Seiten zu erpressen. Besonderheit: Er trägt robuste Wanderstiefel, deren Sohlen exakt die Granit- und Heidelbeerspuren vom Perlenbach aufweisen. Der Schlüsselanhänger mit dem Reh wurde zuletzt an seinem Bund gesehen.
Konflikt und Geheimnis: Das Vermächtnis des Brennmeisters
Hinter dem Mord verbirgt sich das „Brennmeister-Dilemma“. Vor über 150 Jahren versteckte ein Rehauer Porzellanfabrikant eine Rezeptur für eine unzerstörbare Keramik in den Fundamenten der Stadt. Das Opfer hatte dieses Rezept in den Archiven wiederentdeckt. Das Geheimnis war, dass diese Formel metallische Nanopartikel enthält, die für die moderne Luft- und Raumfahrtindustrie von unschätzbarem Wert sind. Der Konflikt zwischen der Bewahrung der Tradition (Eger), der Gier nach industrieller Vormachtstellung (Polymer) und dem opportunistischen Verrat (Hüttenwart) führte zur Eskalation am Maxplatz.
Aufklärung und Finale: Die Überführung des Täters
Die Aufklärung findet während einer Sonderführung durch die Rehauer Industriegeschichte statt. Die Teilnehmer kombinieren die Porzellanscherbe mit den Graphitspuren und den chemischen Formeln vom Perlenbach. Es stellt sich heraus, dass der Mord nicht geplant war, sondern ein hitziges Handgemenge um die Herausgabe des Tablet-Computers darstellte.
Im Finale wird Dr. Arndt Polymer überführt. Der entscheidende Beweis ist das Kaolin am Reh-Schlüsselanhänger: Polymer hatte versucht, das Tablet am Kleinen Kulm zu verstecken, und dabei den Anhänger verloren, den er zuvor dem Opfer im Kampf entrissen hatte. An seiner Laborkittel-Tasche finden sich zudem mikroskopische Reste der Porzellanscherbe, die beim Zerbrechen in den Stoff eingedrungen waren. Da er behauptete, zur Tatzeit in seinem Labor in Hof gearbeitet zu haben, konnte er nicht erklären, wie der Granitstaub und die Heidelbeerspuren an seine Laborschuhe gelangten – Spuren, die er beim Verfolgen des Rangers durch den Wald aufgesammelt hatte. Er gesteht, als man ihm nachweist, dass die Formeln auf dem Tablet mit seinem persönlichen Zugriffscode verschlüsselt wurden.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Das Geheimnis des unzerstörbaren Porzellans ist gesichert und dem Stadtarchiv übergeben worden. Die industrielle Ehre von Rehau bleibt gewahrt. Die Teilnehmer haben den Scharfsinn bewiesen, die Verbindung zwischen Kunststoff und Keramik zu entwirren. Name der Auszeichnung: Der Rehauer Porzellan-Wächter – Ehren-Ermittler im Fichtelgebirge. Dieses Zertifikat wird mit einem geprägten Siegel in Form eines Porzellan-Logos und dem Stadtwappen verliehen.
Essen und Trinken: Kulinarik aus dem Nordosten Frankens
In Rehau spiegelt die Küche die Herzhaftigkeit der Region Hof wider. Als Vorspeise wird eine Rehauer Rinderkraftbrühe mit Leberknödeln gereicht. Der Hauptgang ist der klassische „Hofer Rindfleischwurst-Eintopf“ oder ein kräftiger Sauerbraten in einer Lebkuchen-Sauce, serviert mit den berühmten „Hofer Rohspatzen“ (rohe Klöße) und bayerischem Kraut.
Eine besondere Spezialität sind die „Rehauer Schnitz“ – ein herzhafter Eintopf aus Wurzelgemüse und Schweinefleisch. Zum Trinken wird ein kühles Aktien-Bier aus der Nachbarschaft oder ein Glas Frankenwein aus den sonnigen Lagen des Mains angeboten. Zum Nachtisch gibt es „Fichtelgebirgs-Beeren-Grütze“ mit Vanillesauce oder hausgemachten Käsekuchen. Den Abschluss bildet ein Kornberg-Geist (Kräuterschnaps), der aus den Pflanzen der umliegenden Höhenzüge destilliert wurde.
Zusatz-Programmpunkte: Ideen für das Rahmenprogramm
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Industrie-Lehrpfad: Eine geführte Tour durch die Stadt zur Geschichte der Kunststoffe und des Porzellans in Rehau.
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Besuch des Kunsthauses Rehau: Führung durch die Ausstellungen der konkreten und konstruktiven Kunst.
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Wanderung zum Großen Kornberg: Ein Ausflug zum Aussichtsturm mit Blick über das Vogtland und das Egerland.
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Porzellan-Workshop: Ein kleiner Kurs im Bemalen von Keramik als Erinnerung an die alte Porzelliner-Tradition.
Benötigte Requisiten
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Eine historische Porzellanscherbe mit Manufakturstempel.
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Ein Tütchen mit Graphitpulver (als Spurenmaterial).
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Ein wasserdichter Beutel mit „chemischen Formeln“.
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Ein abgetretener Arbeitsschuh mit Erdanhaftungen.
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Eine Dose mit Mandelduft (Blausäure-Simulation).
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Ein Tablet-Computer (oder Attrappe) mit „verschlüsselten“ Daten.
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Ein Schlüsselanhänger mit einem Reh.
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Ein kleiner Beutel mit weißem Puder (Kaolin).
Untersuchung der Granitspalten am Kleinen Kulm auf weitere versteckte Datenträger als nächste Überlegung.
