Die Festung auf dem Fels
Der Markt Roßtal, gelegen im mittelfränkischen Landkreis Fürth, ist ein Ort von außergewöhnlicher historischer Tiefe, der majestätisch über dem Biberttal thront. Geografisch markiert Roßtal einen strategischen Punkt im fränkischen Hügelland, eingebettet in die sanften Ausläufer des Rangaus. Die Siedlung blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück und war bereits im 10. Jahrhundert als eine der bedeutendsten Burgen des Ostfrankenreichs bekannt. Das Herzstück des Ortes ist der Kirchberg, der wie eine natürliche Festung über die Umgebung wacht und von der monumentalen Hallenkirche St. Laurentius dominiert wird.
Was Roßtal für Kriminologen und Historiker gleichermaßen faszinierend macht, ist die unterirdische Welt. Die romanische Krypta unter der Kirche gilt als eine der ältesten und besterhaltenen ihrer Art in ganz Süddeutschland. Geologisch ist der Ort vom Burgsandstein geprägt, in den über Jahrhunderte Keller, Gänge und Zisternen getrieben wurden. Diese unterirdischen Labyrinthe bilden einen scharfen Kontrast zur idyllischen Oberfläche mit ihren gepflegten Fachwerkhäusern und dem weiten Blick über das Rangau-Plateau. In dieser Kulisse, wo die Mauern noch das Echo der ottonischen Kaiserzeit flüstern, findet ein Verbrechen statt, das die Grenze zwischen Archäologie und krimineller Gier verwischt. Wenn der Nebel aus dem Bibertgrund aufsteigt und die schmalen Gassen rund um den Oberen Markt einhüllt, offenbaren die alten Steine ein Geheimnis, das besser verborgen geblieben wäre.
Schauplätze: Orte des Verbrechens und der Beweisaufnahme
Die romanische Krypta von St. Laurentius In der feuchten Kühle der Krypta, zwischen den massiven Säulen mit ihren archaischen Kapitellen, wird die Leiche eines Historikers entdeckt. Er hielt eine Kopie einer Schenkungsurkunde aus der Zeit König Ottos I. umklammert. Als zentrales Beweismittel wird eine antike Öllampen-Scherbe sichergestellt, an der Rückstände eines modernen, synthetischen Leuchtstoffs haften. Zudem finden sich auf dem Sandsteinboden Abdrücke von Gummistiefeln, die ein markantes Fischgrätenprofil aufweisen – ein Modell, das häufig im Gartenbau der Region verwendet wird. Der Geruch von Weihrauch vermischt sich hier mit einer chemischen Note, die auf ein spezielles Reinigungsmittel für Metalle hindeutet.
Das Museumshof-Gelände Hinter den Mauern der historischen Hofanlage des Roßtaler Museums entdecken die Ermittler Anzeichen für eine nächtliche Grabung. Unter einem Stapel altem Fachwerkgebälk wird eine Metallsonde gefunden, deren Batteriefach manipuliert wurde. Ein entscheidendes Beweismittel ist hier ein verlorengegangener Arbeitshandschuh, in dessen Innerem sich Fasern von Schafwolle befinden, die mit einer speziellen Färbung aus dem Aischgrund behandelt wurden. Die Spuren führen zu einem verdeckten Schacht, der offensichtlich eine Verbindung zu den tieferliegenden Kellern des Marktplatzes darstellt.
Der Aussichtspunkt am Kuckucksheim An der Kante des Plateaus, mit Blick auf das weite Biberttal und die fernen Türme von Nürnberg, wird ein abgestellter Kleinwagen sichergestellt. Im Kofferraum befinden sich hochempfindliche Mikrofone und ein Notizbuch, das detaillierte Beobachtungen über die nächtlichen Bewegungen auf dem Kirchberg enthält. Ein wichtiges Beweismittel ist hier eine leere Flasche eines regionalen Apfelweins aus dem Rangaublick, an deren Hals ein Fingerabdruck gesichert werden kann, der mit weißem Schleifstaub überzogen ist. Dieser Staub stammt eindeutig von der Bearbeitung von neuem Sandstein, wie er bei der Restaurierung von historischen Fassaden in Roßtal anfällt.
Der alte Felsenkeller am Marktplatz In den tiefen, in den Fels gehauenen Lagerkellern unter dem Ort stoßen die Teilnehmer auf das eigentliche Versteck. Zwischen alten Bierfässern liegt ein aufgebrochenes Holzkästchen, das mit dem Wappen der Burggrafen von Nürnberg verziert ist. Ein entscheidendes Beweismittel ist eine hier gefundene archäologische Kelle, an der Reste von rotem Siegellack kleben. In der Ecke des Kellers findet sich zudem ein zerrissenes Plakat einer Roßtaler Kulturveranstaltung, auf dessen Rückseite eine Drohbotschaft in altdeutscher Schrift verfasst wurde: „Das Erbe bleibt im Stein.“
Verdächtige: Motive und Abgründe
Dr. Arndt Grabowski (54) Ein anerkannter Archäologe, der seit Jahren die ottonische Vergangenheit von Roßtal erforscht. Sein Motiv ist wissenschaftlicher Fanatismus. Er war davon überzeugt, dass in der Krypta der wahre „Schatz der Königin Editha“ verborgen liegt und wollte diesen Fund um jeden Preis für sich beanspruchen, bevor offizielle Grabungsteams aus Erlangen eintrafen. Besonderheit: Er trägt stets eine Lupe an einer silbernen Kette und hat die Angewohnheit, Fachbegriffe in lateinischer Sprache zu verwenden. An seinem Arbeitskittel finden sich Rückstände des synthetischen Leuchtstoffs.
Martha Grün (48) Eine örtliche Landschaftsgärtnerin, deren Familie seit Generationen in Roßtal ansässig ist. Ihr Motiv ist der Schutz der Heimat vor dem Tourismus-Boom. Sie wollte verhindern, dass sensationelle Funde den Ort in einen „Jahrmarkt für Fremde“ verwandeln. Besonderheit: Sie ist sehr kräftig gebaut, trägt immer ihre Gummistiefel mit Fischgrätenprofil und ist im Besitz der Schafwoll-Handschuhe, die ihr Großvater noch selbst gewebt hat. Sie kennt jedes Kellergewölbe unter dem Kirchberg.
Hermann Steinmetz (39) Ein Steinmetzmeister, der mit der Sanierung der Kirchmauer beauftragt wurde. Sein Motiv ist finanzielle Gier. Er fand bei seinen Arbeiten zufällig Zugang zu einem versiegelten Hohlraum und wollte die wertvollen Artefakte auf dem Schwarzmarkt in Würzburg verkaufen. Besonderheit: Er ist ständig von weißem Sandsteinstaub umhüllt und besitzt eine Sammlung alter Siegelringe. Der Siegelwachs im Felsenkeller passt zu seinem Equipment. Er war derjenige, der die Flasche Apfelwein am Aussichtspunkt zurückließ.
Konflikt und Geheimnis: Der ottonische Verrat
Der tiefere Konflikt wurzelt in der Legende des „Verrats von Roßtal“. Es heißt, dass während des Aufstands von Liudolf von Schwaben gegen seinen Vater Otto den Großen eine bedeutende Friedensgabe in den Kellern der Burg Roßtal versteckt wurde. Das Opfer hatte Beweise gefunden, dass diese Gabe niemals ankam, sondern von einer lokalen Adelsfamilie unterschlagen wurde. Das Geheimnis war, dass die Kirche St. Laurentius über einem weit größeren Grabkammersystem errichtet wurde, als bisher bekannt war. Die Morde geschehen, um das Wissen über diese unrechtmäßige Bereicherung der Vorfahren zu schützen und gleichzeitig den materiellen Wert des Schatzes zu sichern.
Aufklärung und Finale: Die Überführung des Täters
Die Aufklärung findet während einer Sonderführung durch die Krypta statt. Die Teilnehmer kombinieren die chemischen Indizien: Der Leuchtstoff aus der Krypta passt zu Dr. Grabowskis Markierungshilfen, doch das entscheidende Indiz ist die archäologische Kelle aus dem Felsenkeller.
Im Finale wird Dr. Arndt Grabowski überführt. Er hatte das Opfer in der Krypta gestellt, als dieses die Urkunde analysierte. Da der Historiker drohte, die Entdeckung sofort dem Denkmalschutz zu melden, erschlug Grabowski ihn mit der Kelle. Um den Verdacht auf Martha Grün zu lenken, platzierte er ihren Handschuh am Museumshof, den er ihr zuvor entwendet hatte. Doch er machte einen entscheidenden Fehler: Der weiße Schleifstaub an der Apfelweinflasche stammte zwar von Steinmetz, doch an Grabowskis eigener Brille fanden sich Spuren des roten Siegellacks, den er beim Öffnen des Kästchens im Felsenkeller an sich nahm. Er hatte die anderen Verdächtigen geschickt instrumentalisiert, doch seine eigene Akribie bei der Spurenbeseitigung ließ ihn den Siegellack übersehen. Er gesteht, als man die fehlenden Artefakte in seinem geheimen Lager im Biberttal sicherstellt.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Der Frieden über dem Biberttal ist wiederhergestellt, das Erbe der Ottonen ist nun in sicheren Händen. Die Teilnehmer haben den Nebel der Geschichte gelichtet und bewiesen, dass sie wahre Kenner der fränkischen Seele sind. Name der Auszeichnung: Der Roßtaler Krypta-Hüter – Ehren-Ermittler vom Rangau. Dieses Zertifikat wird mit einem geprägten Siegel der Laurentiuskirche versehen und würdigt den Sieg der Wahrheit über die Gier.
Essen und Trinken: Kulinarik aus dem Rangau
Nach der erfolgreichen Jagd nach dem Mörder wird in den gemütlichen Gaststuben von Roßtal deftig aufgetischt. Die Küche spiegelt die Fruchtbarkeit des Rangaubodens wider. Als Vorspeise wird eine Fränkische Kartoffelsuppe mit gerösteten Schwarzbrotwürfeln gereicht. Der Hauptgang ist die berühmte Roßtaler Bratwurst, die traditionell gröber und kräftiger gewürzt ist als die Nürnberger Variante, serviert auf einem Bett aus Sauerkraut mit einer Beilage von „Stadtwurst mit Musik“ für den großen Hunger.
Als kulinarisches Highlight wird der „Schäufele“ (Schweineschulter) angeboten, dessen Kruste so knusprig ist wie der Sandstein des Kirchbergs, serviert mit einem großen Kartoffelkloß und einer dunklen Biersauce. Als Getränk ist der lokale Apfelwein oder ein spritziger Apfelmost von den Streuobstwiesen rund um den Ort unverzichtbar. Zum Nachtisch werden „Knieküchla“ gereicht – ein im Schmalz gebackenes Hefegebäck, das in der Mitte hauchdünn ist. Dazu gibt es einen kräftigen Espresso oder einen Obstbrand aus den Destillerien des Landkreises Fürth.
Zusatz-Programmpunkte: Ideen für das Rahmenprogramm
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Geführte Krypta-Begehung: Ein Rundgang durch die romanische Unterkirche mit Erklärungen zur Architektur des 11. Jahrhunderts.
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Felsenkeller-Tour: Eine Erkundung der unterirdischen Gänge unter dem Marktplatz, die einst zur Lagerung von Bier dienten.
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Archäologischer Workshop: Die Teilnehmer lernen, wie man Scherben datiert und Bodenfunde sichert, unter Anleitung eines Experten.
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Wanderung über den Planetenweg: Ein Spaziergang durch die Natur des Rangaus, der die Weite des Universums mit der Ruhe der fränkischen Landschaft verbindet.
Benötigte Requisiten
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Eine Kopie einer ottonischen Schenkungsurkunde auf Pergamentpapier.
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Eine Scherbe einer Öllampe mit fluoreszierenden Farbrückständen.
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Ein Paar Gummistiefel mit Fischgrätenprofil zur Spurensuche.
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Schafwoll-Handschuhe mit spezieller blauer Färbung.
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Eine archäologische Kelle mit roten Siegellack-Resten.
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Ein Kästchen mit dem Burggrafen-Wappen.
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Flaschen von regionalem Apfelwein als Beweisstücke.
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UV-Lampen zur Sichtbarmachung der synthetischen Leuchtstoffe.
Organisation der Taschenlampen für die nächtliche Begehung der Felsenkeller am Marktplatz als nächste Überlegung.
