Der Markt Tettau liegt als industriegeschichtliches Phänomen im äußersten Norden des Landkreises Kronach in Oberfranken, tief eingebettet in die dichten Wälder des Rennsteigs. Geografisch wird der Ort durch seine Grenzlage geprägt; er schmiegt sich an die Höhenzüge des Frankenwaldes, dort wo dieser unmittelbar in das Thüringer Schiefergebirge übergeht. Was Tettau so außergewöhnlich interessant macht, ist seine weltweite Bedeutung als Zentrum der Glas- und Porzellanindustrie. Seit dem 18. Jahrhundert prägt das „weiße Gold“ und das „klare Kristall“ die Identität dieser Region. Die Geografie ist gezeichnet von steilen Tälern, in denen die Tettau fließt, und den rauen Hochflächen, auf denen der Wind des Nördlichen Frankenwaldes weht. Historisch gesehen war der Ort ein Innovationsmotor, begünstigt durch den Reichtum an Holz für die Schmelzöfen und Quarzsand aus der Umgebung.
Die Architektur des Ortes Tettau ist ein spannender Kontrast zwischen funktionalen Industriebauten der Glaswerke wie Gerresheimer oder Heinz-Glas und den traditionellen Schieferhäusern der Arbeiter und Glasmeister. In einer Gemeinschaft, die durch die harte Schichtarbeit an den glühenden Öfen, das filigrane Handwerk der Porzellanmalerei im Ortsteil Kleintettau und eine tiefe Verbundenheit zur rauen Natur des Rennsteigs geprägt ist, herrscht ein Klima von technischem Stolz und familiärer Geschlossenheit. Doch hinter der gläsernen Fassade, wo Präzision und Hitze den Alltag bestimmen, lauern Konflikte, die so scharfkantig sind wie eine zerbrochene Retorte. In Tettau weiß man, dass der Erfolg auf Rezepturen beruht, die über Generationen unter Verschluss gehalten wurden. Wenn der nächtliche Feuerschein der Glasschmelzen den Himmel über dem Frankenwald rötlich färbt, offenbart sich, dass hinter der industriellen Betriebsamkeit eine gefährliche Gier nach technologischen Geheimnissen und alten Privilegien schwelt.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist das Europäische Flakonglasmuseum im Ortsteil Kleintettau. In einer Vitrine für historische Parfümflakons, direkt neben einem Exponat aus der Barockzeit, wird eine beschädigte Glasmacherpfeife gefunden. Das Werkzeug weist am Mundstück Spuren von bläulichem Kobaltstaub auf sowie winzige Rückstände von getrocknetem Kaolin, der für die Porzellanherstellung in der Region typisch ist. Direkt auf dem Glasboden der Vitrine wird eine verlorene Taschenuhr sichergestellt, deren Gehäuse mit einer Gravur der Tettauer Porzellanmanufaktur versehen ist und deren Zeiger durch eine massive Hitzeeinwirkung bei genau 02:22 Uhr verschmolzen sind. Der Boden im Museum zeigt Abdrücke von Sicherheitsschuhen, die eine auffällige Abnutzung im Bereich der Stahlkappe besitzen, in der sich kleine Partikel von Glassplitt und Graphit verfangen haben. Zudem wird ein zerknitterter technischer Entwurf entdeckt, der die handschriftliche Notiz trägt: „Die Formel brennt ewig“.
Ein weiterer entscheidender Ort ist der historische Grenzübergang am Rennsteig. In einem alten Unterstand für Waldarbeiter, versteckt unter einem Stapel verwitterter Schieferplatten, wird eine verschlossene Metallkassette geborgen. Sie weist Spuren von frischem Maschinenfett auf und ist mit einem Wachssiegel verschlossen, das das Abbild eines Glasbläsers zeigt. Im Inneren der Kassette befinden sich keine Goldmünzen, sondern eine Sammlung von Original-Patentschriften aus den 1920er Jahren, die jedoch mit modernen Infrarot-Stiften bearbeitet wurden, um chemische Zusätze für eine neuartige, bruchsichere Glasbeschichtung hervorzuheben. An der Kassette haften Reste von Fichtenharz und winzige Fragmente von Quarzsand, wie er in den Glashütten von Tettau verwendet wird. In der Nähe wird zudem eine hochwertige Laborkamera gefunden, deren Objektiv mit weißem Porzellanstaub verschmiert ist. Ein hier liegender Hitzeschutzhandschuh weist an der Innenseite Verfärbungen durch geschmolzenes Silber auf.
Der dritte Schauplatz ist die Tettau-Aue unterhalb der großen Fabrikhallen. In einem tiefen Gumpen des Baches, halb unterspült von den Wurzeln einer Erle, wird eine metallene Dokumentenrolle entdeckt. Sie enthält ein Original-Schriftstück über die alten Holznutzungsrechte im Frankenwald, das jedoch mit moderner Geheimtinte am Rand ergänzt wurde. Neben der Rolle liegen Scherben eines Kristallglases, an denen Rückstände eines sehr starken, klaren Obstlers haften, der typisch für die Gastfreundschaft im Landkreis Kronach ist. Im weichen Uferschlamm finden sich Abdrücke von Wanderstiefeln, die eine auffällige Kerbe im Absatz zeigen und deren Profil mit Eisenerz-Resten verschmiert ist. Zudem wird ein silberner Ansteckpin sichergestellt, der die Form eines Kristallglases hat und im Geäst eines Strauches feststeckte.
Der vierte Schauplatz ist der Wildberg-Aussichtsturm. Auf der obersten Plattform, zwischen den Metallstreben des Geländers, wird ein beschädigtes Smartphone gefunden. Das Gerät ist in eine Hülle aus dunklem Leder gehüllt, an der Reste von Schleifpaste haften. Auf dem Display ist als letztes Bild eine Aufnahme einer geheimen Versuchsreihe in einem der Brennöfen zu sehen. An dem Smartphone kleben kleine Fragmente von Schiefer. Ein in der Nähe gefundener Messschieber weist eine scharfe Kante auf, die mit frischem Kühlmittel verschmiert ist. Zudem finden sich dort Reste eines alten Glasfadens, der einen intensiven Geruch nach Schwefel verströmt.
Verdächtige
Gottfried Glaser, ein altgedienter Glasmeister, der seit über vierzig Jahren an den Wannen in Tettau steht. Sein Motiv ist die Bewahrung der Ehre. Er glaubt, dass die modernen Automatisierungsprozesse die Seele des Handwerks zerstören und wollte die neuen Patentunterlagen vernichten, um die Rückkehr zum traditionellen Mundblasen zu erzwingen. Seine Besonderheit ist seine raue Stimme durch die Hitze der Öfen und die ständige Verwendung von Graphit zur Schmierung der Formen, was ihn mit den Spuren im Museum verbindet. Er besitzt die Taschenuhr mit der Manufaktur-Gravur.
Berta Bruch, eine ehrgeizige Qualitätskontrolleurin, die für die Überwachung der neuen Produktionslinien zuständig ist. Ihr Motiv ist Industriespionage. Sie wurde von einem Konkurrenzunternehmen aus dem Thüringischen angeworben, um die Formel für das bruchsichere Glas zu stehlen. Ihre Besonderheit ist ihr pedantischer Blick für Details und das ständige Tragen von Sicherheitsschuhen, was die Spuren am Museum erklärt. Sie nutzt die Laborkamera und besitzt den Messschieber.
Konrad Kristall, der Betreiber eines kleinen Antiquitätenhandels in Tettau. Sein Motiv ist Habgier. Er stieß bei einer Haushaltsauflösung auf die Dokumentenrolle mit den alten Holznutzungsrechten und wollte diese nutzen, um Entschädigungszahlungen von den großen Glaswerken zu erpressen. Seine Besonderheit ist seine Vorliebe für edle Obstbrände und sein Wissen über Geheimtinten, was die Funde in der Tettau-Aue erklärt. Er trägt den silbernen Kristallglas-Pin.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefe Konflikt dreht sich um das „Tettauer Arkanum“. Es existiert eine Legende, nach der Alexander von Humboldt während seiner Zeit im Frankenwald eine Formel für ein Glas entwickelte, das niemals trüb wird. Das wahre Geheimnis ist jedoch, dass diese Formel in den 1920er Jahren weiterentwickelt wurde und die Grundlage für eine neue Generation von Spezialgläsern für die Pharmaindustrie bildet. Das Opfer, ein junger Materialwissenschaftler, hatte die Original-Formel in der Metallkassette am Rennsteig versteckt, um sie vor dem Zugriff der Industriespione zu schützen. Er wurde getötet, weil sein Wissen sowohl die Sabotagepläne von Gottfried Glaser als auch die finanziellen Hoffnungen von Konrad Kristall gefährdete, während Berta Bruch das Opfer für einen Doppelagenten hielt.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während der Nacht der gläsernen Öfen in einer der großen Werkshallen in Tettau statt. Vor der Kulisse der glühenden Schmelze präsentieren die Ermittler die Beweise. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch die Glasmacherpfeife. Der Kobaltstaub am Mundstück weist eine seltene Isotopen-Signatur auf, die exakt mit der Charge übereinstimmt, die Gottfried Glaser am Tag der Tat verwendete. Als Berta Bruch versucht, die Laborkamera im Altglascontainer zu entsorgen, präsentieren die Ermittler den Hitzeschutzhandschuh. Die Silberverfärbungen darauf stammen von einer speziellen Verspiegelungstechnik, die nur das Opfer beherrschte. Doch der wahre Mörder wird durch das Kühlmittel überführt. Es stellt sich heraus, dass Berta Bruch das Opfer am Aussichtsturm stellte und es im Streit mit dem Messschieber erschlug, bevor sie die Leiche mit Hilfe von Konrad Kristall im Wald versteckte. Gottfried Glaser hatte lediglich versucht, die Unterlagen aus dem Museum zu entwenden, um die Produktion zu stören.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Die geheimen Glasformeln werden gesichert und in einem Hochsicherheitstresor der Gemeinde Tettau hinterlegt, die Tradition des Glasbläserhandwerks bleibt gewahrt und der Industriestandort im Frankenwald ist gerettet. Die Teilnehmer werden für ihren analytischen Scharfsinn geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Glasmeister der Tettauer Hütte“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare für den Nördlichen Frankenwald und Experten für technologische Kriminalistik.
Essen und Trinken
Das Menü zelebriert die deftige Küche des Frankenwaldes. Als Vorspeise wird eine „Glasmacher-Brotzeit“ mit hausmacher Wurst und frischem Steinofenbrot serviert. Der Hauptgang besteht aus „Fränkischen Rinderrouladen“ mit Speck und Gurke, dazu gibt es die berühmten „Coburger Klöße“ (mit gerösteten Brotbröckchen im Kern) und Apfelrotkohl. Zum Trinken wird ein kühles Pils einer lokalen Brauerei oder ein Glas Edelobstler aus der Region gereicht. Zum Nachtisch gibt es „Schieferkuchen“ (ein Schokoladenkuchen mit Puderzucker) und Vanillesoße.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine Führung durch das Glasmuseum in Kleintettau mit einer Live-Vorführung am Glasofen. Zudem wird eine Wanderung auf dem Rennsteig zum Thema „Grenzerfahrungen und Schmuggelwege“ angeboten. Für Technikinteressierte gibt es eine Besichtigung des Tropfenzählers (Wahrzeichen von Tettau). Ein kleiner Glasmarkt präsentiert zudem die Vielfalt der lokalen Glaskunstwerke aus dem Landkreis Kronach.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden eine (Replik-)Glasmacherpfeife mit blauen Staubspuren, eine hitzebeschädigte Taschenuhr, eine Metallkassette mit Wachssiegel, Patentschriften (bearbeitet), eine Laborkamera, eine metallene Dokumentenrolle, Kristallglas-Scherben, ein silberner Kristall-Ansteckpin, ein Smartphone in Lederhülle, ein gravierter Messschieber, Glasfaden sowie die gedruckten Urkunden für die Teilnehmer.
Abstimmung mit den Glaswerken bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen am Schmelzofen für die finale Überführung des Täters als nächste notwendige Überlegung.
