Das Herz des Hochspessarts
Mespelbrunn, ein Juwel im Landkreis Aschaffenburg, liegt tief verborgen in den schier endlosen Laubwäldern des Hochspessarts in Unterfranken. Geografisch wird die Gemeinde durch das idyllische Tal der Elsava geprägt, die sich kristallklar durch die dichten Bestände aus uralten Eichen und Buchen zieht. Die Abgeschiedenheit des Ortes, umgeben von den sanften, aber stetig ansteigenden Hügeln des Naturparks Spessart, verleiht Mespelbrunn eine Aura der Zeitlosigkeit. Hier, wo der Boden reich an rotem Buntsandstein ist und die Luft nach feuchtem Farn und Harz duftet, scheint die Moderne nur zögerlich Einzug gehalten zu haben.
Was Mespelbrunn weltberühmt macht, ist zweifellos das Wasserschloss Mespelbrunn. Als Inbegriff eines romantischen Ritterschlosses ruht es in einem stillen Weiher, dessen dunkle Wasseroberfläche die Renaissance-Fassaden und den runden Bergfried, das „Ritterschlösschen“, spiegelt. Die Architektur ist ein Meisterwerk des Übergangs vom spätgotischen Wehrbau zum repräsentativen Adelssitz und diente einst als Schauplatz für den Filmklassiker „Das Wirtshaus im Spessart“. Diese cineastische und historische Bedeutung zieht jährlich Tausende in das Tal, doch die Geografie des Ortes bietet weit mehr als nur eine Schlosskulisse. Dichte Wanderwege führen hinauf zur Gruftkapelle derer von Ingelheim oder tief hinein in das Rohrbachtal, wo die Wildnis des Spessarts noch immer eine mystische Kraft ausstrahlt. In Mespelbrunn verschmelzen die Legenden von furchtlosen Rittern, die einst dem Mainzer Kurfürsten dienten, mit den Geschichten der berüchtigten Spessarträuber, die in den unwegsamen Wäldern ihr Unwesen trieben. Doch hinter den dicken Mauern des Schlosses und dem dichten Blätterdach der Eichenwälder schwelt ein gefährlicher Streit um ein verschollenes Erbstück – ein Diamant-Collier, das angeblich während der napoleonischen Kriege im Schlossgraben versenkt wurde. Als nun bei Reinigungsarbeiten am Weiher nicht nur eine rostige Schatulle, sondern auch die Leiche eines Tauchers entdeckt wird, bricht die trügerische Ruhe im Elsava-Tal. In Mespelbrunn wird das Erbe der Vergangenheit zur tödlichen Falle in der Gegenwart.
Schauplätze: Orte der Tat und der Beweise
Der Schlossweiher des Wasserschlosses Inmitten der dunklen Wasser, direkt unter der Brücke, die zum prunkvollen Portal führt, beginnt die Spurensuche. Im seichten Wasser, verfangen in den Wurzeln der Seerosen, wird das erste Beweismittel sichergestellt: Ein moderner Taucherhandschuh, an dessen Manschette Reste von blauem Wachssiegel haften. Direkt daneben findet sich eine wasserdichte Taschenlampe, in deren Batteriefach ein kleiner Zettel mit einer handgezeichneten Skizze der Schlossfundamente versteckt wurde. Die Spiegelung der alten Mauern im Wasser wirkt hier wie ein verzerrtes Bild der Wahrheit.
Die Gruftkapelle derer von Ingelheim Hoch über dem Ort, eingebettet in ein kleines Waldstück, wird in der Stille der Gruftkapelle ein zweites Indiz geborgen. Hinter einer losen Sandsteinplatte im Bereich des Altars liegt ein verstaubtes Notizbuch. Die Einträge sind in einer Kurzschrift verfasst, die auf geologische Messungen im Elsava-Tal hindeutet. Besonders auffällig ist ein am Boden gefundener Knopf aus echtem Hirschhorn, an dem noch ein kleiner Faden aus grüner Lodenwolle hängt. Der Geruch nach kaltem Stein und Weihrauch verleiht diesem Schauplatz eine fast unheimliche Schwere.
Das Wirtshaus im Spessart (Historisches Gebäude) In den verwinkelten Gaststuben und dem alten Dachboden des traditionsreichen Hauses wird das dritte Beweismittel entdeckt. Es handelt sich um eine antike Landkarte des Landkreises Aschaffenburg, auf der mit modernem Infrarot-Stift Markierungen entlang des Eselswegs angebracht wurden. In einer Zimmerecke wird zudem ein zerknüllter Parkbeleg eines Geländewagens gefunden, der auf einen Parkplatz in Heimbuchenthal ausgestellt ist. Das Knarren der Dielenbretter scheint hier die Schritte des Täters nachzuahmen.
Der Hohe Knuck im Spessartwald An einem markanten Aussichtspunkt tief im Wald, dort wo die Eichen besonders dicht stehen, wird das vierte Indiz sichergestellt. Es handelt sich um ein hochwertiges Fernglas, dessen Linse mit feinem Sandsteinstaub bedeckt ist. Unter einem Farnblatt liegt eine leere Patronenhülse eines Jagdgewehrs, die jedoch keine Spuren von Schmauch aufweist – ein klassisches Ablenkungsmanöver oder ein Signal? In der Nähe finden sich zudem Reifenspuren eines Mountainbikes, die steil bergab in Richtung der Mespelbrunner Mühle führen.
Verdächtige: Motive und Abgründe
Freifrau Isabella „Die Erbin“ von Ingelheim (54) – Eine stolze Schlossherrin Sie wacht über das Vermächtnis ihrer Vorfahren und versucht mit allen Mitteln, den Erhalt des Wasserschlosses zu finanzieren.
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Motiv: Existenzangst und Familienschutz. Sie wusste von dem versteckten Collier und wollte es heimlich bergen, um die dringend notwendige Sanierung des Bergfrieds zu bezahlen, ohne das Denkmalamt einzuschalten. Sie hielt das Opfer für einen Dieb, der ihr zuvorkommen wollte.
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Besonderheit: Sie trägt stets Kleidung aus feinstem grünem Loden und besitzt eine Sammlung historischer Siegelwachse, darunter auch das seltene blaue Wachs der herzoglichen Kanzlei.
Dr. Christian „Der Geologe“ Bergmann (46) – Ein Gutachter aus Aschaffenburg Er wurde beauftragt, die Statik des Schlosses im Bezug auf den Wasserstand der Elsava zu prüfen.
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Motiv: Akademische Gier und Schulden. Bei seinen Messungen stieß er auf Hohlräume in den Fundamenten, in denen er den Schatz vermutete. Er wollte das Collier außer Landes bringen, um seine Spielschulden in Wiesbaden zu begleichen. Er verfasste das geologische Notizbuch und nutzte die Tauchausrüstung für nächtliche Erkundungen.
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Besonderheit: Er ist ein leidenschaftlicher Mountainbiker und nutzt jede freie Minute, um die steilen Hänge rund um den Hohen Knuck zu erkunden.
Xaver „Der Jäger“ Hirsch (59) – Ein ortskundiger Forstaufseher Er kennt den Spessart wie seine Westentasche und ist seit Jahrzehnten für die Wälder rund um Mespelbrunn verantwortlich.
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Motiv: Rache und Gerechtigkeitsempfinden. Seine Familie wurde vor Generationen als Wilderer vom Schloss verbannt. Er beobachtete die Aktivitäten am Weiher und wollte den Schatz finden, um ihn als „Entschädigung“ für seine Ahnen zu behalten. Er platzierte die Patronenhülse, um Verdacht auf andere Jäger zu lenken.
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Besonderheit: Er trägt traditionelle Trachtenwesten mit Hirschhornknöpfen und besitzt ein detailliertes Wissen über die geheimen Zugänge zur Gruftkapelle.
Konflikt und Geheimnis: Der Pakt der Schatten
Hinter dem Mord in Mespelbrunn verbirgt sich das „Geheimnis der eisernen Truhe“. Während der napoleonischen Kriege schloss ein Vorfahre der Familie Ingelheim einen Pakt mit einem Anführer der Spessarträuber, um das Familiengold vor den plündernden Truppen zu retten. Das Gold wurde im Fundament des Schlosses versenkt, doch der Räuber kehrte nie zurück, um seinen Anteil zu fordern.
Das Geheimnis blieb über Jahrhunderte gewahrt, bis eine alte Familienchronik bei Archivarbeiten in Würzburg auftauchte. Der Konflikt entbrannte zwischen der Schlossherrin, die ihr Erbe retten wollte, und den Eindringlingen, die den Schatz als Beute sahen. Das Opfer, ein professioneller Bergungstaucher, wurde von einer der Parteien angeheuert, spielte jedoch ein doppeltes Spiel und versuchte, alle Beteiligten zu erpressen.
Aufklärung und Finale: Showdown am Ritterschlösschen
Das Finale findet bei Fackelschein im Innenhof des Schlosses statt. Die Ermittler präsentieren die gesammelten Beweise. Der Hirschhornknopf und der Lodenfaden belasten sowohl die Freifrau als auch den Jäger.
Die entscheidende Wende bringt das blaue Wachssiegel am Taucherhandschuh. Dieses spezielle Siegel wurde nur von der Freifrau verwendet, um vertrauliche Korrespondenz zu verschließen. Es stellt sich jedoch heraus, dass Dr. Christian Bergmann das Siegel aus dem Schreibzimmer gestohlen hatte, um Dokumente zu fälschen. Er wurde überführt, weil der Sandsteinstaub an seinem Fernglas chemisch identisch mit dem Abrieb der frisch bewegten Platte in der Gruftkapelle ist. Bergmann hatte das Opfer im Weiher unter Wasser überrascht und die Sauerstoffzufuhr manipuliert, als dieser die Schatulle bergen wollte. In einem verzweifelten Fluchtversuch mit dem Mountainbike wird er am Hohen Knuck gestellt. Das Collier wird sichergestellt und der Gemeinde Mespelbrunn als Leihgabe für das Museum übergeben.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Der Fluch der Spessarträuber ist gebrochen, die Gerechtigkeit im Elsava-Tal wiederhergestellt. Die Teilnehmer haben bewiesen, dass sie die Rätsel der Renaissance und der tiefen Wälder lösen können. Die Auszeichnung trägt den Namen: „Custos Castelli – Wächter des Wasserschlosses“. Dieses Zertifikat wird feierlich verliehen und bescheinigt den Teilnehmern höchsten Scharfsinn in Unterfranken.
Essen und Trinken: Kulinarik des Hochspessarts
Ein Krimi-Event in Mespelbrunn wird durch die bodenständigen und wildreichen Spezialitäten der Region abgerundet:
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Spessart-Wildschweinbraten: In einer kräftigen Rotwein-Wacholder-Soße, serviert mit hausgemachten Kartoffelklößen und Preiselbeeren.
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Forelle „Mespelbrunn“: Frisch aus der Elsava, in Butter gebraten mit Kräutern aus dem Schlossgarten und Salzkartoffeln.
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Spessarträuber-Platte: Eine herzhafte Brotzeit mit Wildschweinschinken, hausmacher Leberwurst, herzhaftem Käse und Bauernbrot aus dem Holzofen.
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Eichelkuchen: Ein saftiger Nusskuchen, der nach alter Tradition mit Mehl aus gerösteten Eicheln (heute meist durch Haselnüsse ersetzt) gebacken wird.
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Getränke: Ein kühles Bier einer Privatbrauerei aus dem Landkreis Aschaffenburg oder ein kräftiger Silvaner. Als Abschluss ein „Spessarträuber-Tropfen“ – ein Kräuterlikör aus 27 Waldkräutern.
Zusatz-Programmpunkte
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Nachtführung durch das Wasserschloss: Mit Taschenlampen bewaffnet erkunden die Teilnehmer die geheimen Winkel des Schlosses.
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Spessarträuber-Überfall: Eine geschauspielerte Einlage im Wald, bei der die Teilnehmer „gefangen genommen“ werden und sich mit einem Rätsel befreien müssen.
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Besuch der Gruftkapelle: Eine Wanderung mit historischem Hintergrundbericht über die Familie von Ingelheim.
Benötigte Requisiten
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Taucherhandschuh mit blauem Wachsrest.
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Wasserdichte Taschenlampe mit Skizze.
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Notizbuch mit geologischen Kurzschriften.
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Hirschhornknöpfe und grüne Lodenfäden.
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Antike Landkarte des Spessarts.
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Infrarot-Stift zur Sichtbarmachung von Markierungen.
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Leere Patronenhülsen.
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Ein altes Mountainbike als Requisite für den Täter.
Escape-Situation: Die Mission „Der Schatz des Ritters“
Um das Event abzuschließen, müssen die Teilnehmer das Collier in einem Escape-Szenario bergen.
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Das Rätsel der Fenster: Im Innenhof des Schlosses müssen die Teilnehmer die Anzahl der kleinen Fenster im Bergfried zählen. Die Zahl ist der erste Teil des Codes für eine eiserne Truhe.
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Die Wappen-Chiffre: An der Gruftkapelle müssen die Symbole auf den Wappensteinen in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden, um ein Lösungswort zu ergeben.
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Die Sandstein-Prüfung: Die Teilnehmer müssen verschiedene Steine befühlen. Nur der Stein, der sich kälter anfühlt als die anderen (ein präparierter Hohlstein), enthält den Schlüssel zum nächsten Hinweis.
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Die finale Bergung: Mittels einer Magnetangel müssen die Teilnehmer die „Schatulle“ aus einem kleinen Brunnenbecken fischen, ohne die Glocken am Rand zu berühren, die den Alarm auslösen würden.
Die nächste Überlegung betrifft die Koordination mit der Schlossverwaltung, um die Brücke über den Weiher während der Ermittlungsphase exklusiv für die Spurensicherung der Gruppen nutzen zu können.
