Unmittelbar vor den Toren der Residenzstadt Würzburg, tief eingebettet in eine der markantesten Schleifen des Mains, liegt der traditionsreiche Weinort Randersacker. Geografisch wird die Gemeinde von den steilen Prallhängen des Maindreiecks dominiert, deren kalkhaltige Böden die Grundlage für Weltklasse-Weine bilden. Die Namen der Lagen wie Sonnenstuhl, Pfülben oder Marsberg sind jedem Kenner ein Begriff und prägen das Panorama des Ortes, das von schier endlosen Rebstöcken und massiven Trockenmauern aus Muschelkalk bestimmt wird. Randersacker ist jedoch nicht nur ein Zentrum des Weinbaus, sondern auch ein Ort des Steins. Die Steinbrüche der Region lieferten einst das Material für prachtvolle Barockbauten in ganz Unterfranken. Die Architektur des Altortes ist geprägt von prächtigen Winzerhöfen, engen Pflastergassen und historischen Türmen, die wehrhaft über dem Fluss thronen. Die Lebensader Main fließt hier gemächlich dahin, flankiert von Treppelwegen, die heute Wanderer und Radfahrer durch das sonnenverwöhnte Tal führen. Die Besonderheit liegt in der Symbiose aus harter Arbeit im Weinberg und der Lebensfreude in den zahlreichen Heckenwirtschaften. Doch die idyllische Lage im Maintal birgt auch eine düstere Seite. In einem Ort, in dem der Wert eines Grundstücks in Öchslegraden gemessen wird und alte Winzerdynastien über Generationen hinweg ihre Grenzen verteidigen, gedeihen Neid und Missgunst besonders prächtig. Wenn der morgendliche Dunst über dem Main aufsteigt und die Weinberge in ein diffuses Licht taucht, scheint die Zeit stillzustehen – ein perfekter Moment, um alte Rechnungen zu begleichen, die tief im kalkhaltigen Boden von Randersacker vergraben liegen.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist die Lage Sonnenstuhl, hoch über den Dächern von Randersacker. Inmitten der Reben, direkt an einer der massiven Trockenmauern, wird ein zerbrochenes Rebmesser gefunden. Die Klinge weist eine ungewöhnliche Gravur auf, die einem alten Steinmetzzeichen ähnelt. Der Boden hier oben ist steinig und karg, doch der Ausblick auf das Main-Becken ist atemberaubend. Der Fundort wirkt verlassen, doch die niedergetretenen Kräuter am Wegrand deuten darauf hin, dass hier vor kurzem ein heftiger Streit stattgefunden hat. Die Hitze des Tages speichert sich im Muschelkalk und lässt die Luft über dem Weinberg flimmern.
Ein zweiter markanter Ort ist der historische Zehnthof im Ortskern. In einem der tiefen, kühlen Weinkeller, in denen die schweren Holzfässer in Reih und Glied stehen, wird ein herrenloser Terminkalender sichergestellt. Zwischen den Seiten klebt ein getrocknetes Blatt einer seltenen Rebsorte, die in Randersacker eigentlich als ausgestorben gilt. Der Geruch nach Weinhefe und feuchtem Kellergestein ist allgegenwärtig. Das flackernde Licht der Taschenlampen wirft lange Schatten an die gewölbten Decken, und man meint, das Atmen des reifenden Weines zu hören. Dieser Ort der Ruhe wurde zum Versteck für belastende Dokumente.
Der dritte Schauplatz ist der alte Steinbruch am Rande des Marsbergs. In einer verlassenen Lorenstation findet sich ein moderner Arbeitshandschuh, der mit einer klebrigen, dunklen Substanz verschmiert ist. Die zerklüfteten Felswände des Muschelkalks ragen steil empor und wirken wie eine natürliche Arena. Hier oben, weit abseits der bewohnten Gassen, hallt jedes Geräusch unnatürlich laut wider. Der Kontrast zwischen der uralten Geologie Frankens und dem neuzeitlichen Beweismittel macht diesen Ort besonders unheimlich.
Als vierter Ort dient die Anlegestelle der Main-Fähre (historischer Bereich). Im seichten Uferwasser, zwischen den Wurzeln einer alten Weide, wird eine goldene Krawattennadel entdeckt, die das Symbol einer exklusiven Weinbruderschaft trägt. Die Strömung des Mains zerrt an den Ästen, und das trübe Wasser verbirgt möglicherweise noch weitere Geheimnisse. Dieser Schauplatz verbindet die dörfliche Gemeinschaft mit dem großen Flussweg, der seit Jahrhunderten Wohlstand und Fremde nach Randersacker bringt.
Verdächtige
Baptist „Rebenkönig“ Vollrath: Ein Winzer alter Schule, dessen Familie seit dem 17. Jahrhundert die besten Lagen im Pfülben bewirtschaftet. Sein Motiv ist die Wahrung der Familientradition um jeden Preis. Er fürchtete, dass das Opfer – ein junger Önologe – nachweisen könnte, dass Vollrath illegale Pestizide einsetzte, um seine Erträge im Maindreieck zu sichern. Seine Besonderheit ist sein extrem rauer Dialekt und seine Angewohnheit, ständig mit einer kleinen Gartenschere in der Hand herumzulaufen, auch wenn er nicht im Weinberg ist.
Charlotte „Lotte“ Bergmann: Eine ehemalige Sommelière aus Würzburg, die in Randersacker eine moderne Vinothek eröffnet hat. Ihr Motiv ist Existenzangst. Das Opfer hatte herausgefunden, dass Lotte minderwertigen Wein aus anderen Regionen als teures Gewächs vom Sonnenstuhl etikettierte. Sie wirkt stets elegant, ist jedoch hochgradig nervös und raucht Kette, wobei sie ihre Zigaretten stets in einem silbernen Etui aufbewahrt, das mit dem Ortswappen verziert ist.
Dr. Ulrich Sandstein: Ein Geologe, der sich auf die Analyse von Muschelkalk-Böden spezialisiert hat. Sein Motiv ist wissenschaftlicher Ehrgeiz und Bestechlichkeit. Er wurde vom Opfer dabei ertappt, wie er Gefälligkeitsgutachten für Bauprojekte in geschützten Weinbergslagen erstellte. Sandstein ist ein unterkühlter Intellektueller, der stets eine Lupe bei sich trägt und dazu neigt, seine Mitmenschen über die chemische Zusammensetzung des Bodens in Unterfranken zu belehren, um von unangenehmen Fragen abzulenken.
Konflikt und Geheimnis
Hinter dem Fall verbirgt sich ein Komplott, das die gesamte Weinwirtschaft von Randersacker erschüttern könnte. Es geht um das „Gold der Winzer“ – eine vergessene Parzelle im Sonnenstuhl, die offiziell seit den Flurbereinigungen der 1970er Jahre nicht mehr existiert, aber aufgrund einer unterirdischen Wasserquelle die besten Erträge der gesamten Region Franken liefert. Das Opfer hatte entdeckt, dass diese Parzelle heimlich von einer Kooperative aus Politik und Weinwirtschaft genutzt wurde, um Spitzenweine zu produzieren, die am Finanzamt vorbeigeschleust wurden. Das Geheimnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Ortes: Alte Karten aus der Zeit des Hochstifts Würzburg belegen die Existenz dieses „Geisterweinbergs“. Der Konflikt entbrennt zwischen der Gier nach Profit und dem Idealismus des Opfers, das die Gerechtigkeit über den Profit der Winzerelite stellte.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während der traditionellen Weinparade am Mainufer statt. Vor der Kulisse der beleuchteten Weinberge werden die Verdächtigen konfrontiert. Durch die geschickte Verknüpfung der Beweise – das Rebmesser mit dem Steinmetzzeichen (das Dr. Sandstein gehört), das Blatt der seltenen Rebsorte (die nur auf der geheimen Parzelle wächst) und die Krawattennadel vom Main – wird der Druck erhöht. Der entscheidende Durchbruch gelingt, als ein Laborbericht präsentiert wird, der die dunkle Substanz am Handschuh als eine spezielle Pfropf-Wachs-Mischung identifiziert, die nur Baptist Vollrath verwendet. Unter der Last der Beweise beginnt Charlotte Bergmann zu reden, um ihre eigene Haut zu retten. Sie gesteht, dass Dr. Sandstein und Vollrath das Opfer im Weinkeller des Zehnthofs gestellt hatten. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd durch den Sonnenstuhl kam es zum tödlichen Sturz. Vollrath, konfrontiert mit dem Verrat seiner Komplizin, gesteht schließlich fluchend, dass er „seinen“ Weinberg gegen den „Schnüffler aus der Stadt“ verteidigen musste.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Mit der Verhaftung des „Rebenkönigs“ und seiner Helfershelfer kehrt eine nachdenkliche Ruhe in den Ort zurück. Die geheime Parzelle wird nun unter staatliche Aufsicht gestellt. Jeder erfolgreiche Ermittler erhält als Anerkennung für die Dienste um die Ehre des Weinortes die Auszeichnung „Hüter des Randersackerer Sonnenstuhls“. Dieses Zertifikat bestätigt, dass der Inhaber in der Lage ist, auch im dichtesten Rebenmeer die Spur der Wahrheit zu finden.
Essen und Trinken
Die kulinarische Begleitung ist eine Hommage an die unterfränkische Genusskultur. Als Vorspeise wird eine Fränkische Hochzeitssuppe mit Leberklößchen und Fleischklößchen serviert. Zum Hauptgang gibt es den Klassiker der Region: Blauer Zipfel (in Essigsud gegarte Bratwürste) mit viel Zwiebeln und Wurzelgemüse, dazu kräftiges Bauernbrot. Für den größeren Hunger bietet sich ein Fränkischer Sauerbraten an, dessen Sauce mit Lebkuchengewürz verfeinert wurde, serviert mit den typischen Fränkischen Klößen und Blaukraut.
Natürlich darf der Wein nicht fehlen. Ein spritziger Silvaner aus dem Bocksbeutel, gewachsen am Pfülben, ist die ideale Begleitung. Als vegetarische Alternative dient ein Gerupfter (angemachter Camembert) mit frischen Brezen. Zum Dessert wird ein Weinpudding aus Müller-Thurgau oder eine Portion Knieküchle gereicht. Die Speisen sind bodenständig und unterstreichen die Verbindung zwischen dem Ertrag der Erde und der Handwerkskunst der Köche im Main-Tauber-Gebiet.
Zusatz-Programmpunkte
Ergänzend zur Spurensuche kann eine Führung durch das Steinhauer-Museum in Randersacker stattfinden, um die Verbindung zwischen Weinbau und Steinmetzzunft zu verstehen. Eine Weinbergswanderung mit einer „Blindverkostung“, bei der die Teilnehmer die verschiedenen Lagen wie Marsberg und Sonnenstuhl erschmecken müssen, fördert den detektivischen Instinkt. Abends bietet sich ein Besuch in einer der urigen Heckenwirtschaften an, um bei einem Schoppen die Theorien zum Fall zu diskutieren. Auch eine Bootsfahrt auf dem Main bietet eine ganz neue Perspektive auf die möglichen Fluchtwege der Täter.
Benötigte Requisiten
Für das Event werden benötigt: Ein graviertes Rebmesser (Attrappe), ein alter Terminkalender mit eingelegtem Weinblatt, ein Paar Arbeitshandschuhe mit Wachsflecken, eine goldene Krawattennadel, mehrere Bocksbeutel mit manipulierten Etiketten, eine historische Flurkarte von Randersacker, UV-Stifte zur Markierung von Beweisstücken und Lupen für die Untersuchung der Bodenproben vom Muschelkalk. Zudem sollten Dossiers über die Weinbruderschaften der Region bereitliegen.
Auswertung der alten Grundbuchakten im Würzburger Staatsarchiv zur endgültigen Klärung der Besitzverhältnisse am Sonnenstuhl als nächster notwendiger Schritt.
