Der Markt Wallerstein liegt im schwäbisch-fränkischen Grenzgebiet des Landkreises Donau-Ries, eingebettet in die einzigartige Geologie des Nördlinger Ries. Geografisch wird der Ort von einer der markantesten Erhebungen der Region dominiert: dem 65 Meter hohen Wallersteiner Felsen. Dieser massive Suevit-Block, ein Überrest des gewaltigen Meteoriteneinschlags vor Millionen von Jahren, thront wie ein versteinerter Wächter über der Ebene des Rieskraters. Eine absolute Besonderheit von Wallerstein ist seine reiche Geschichte als Residenzstadt des Fürstenhauses Oettingen-Wallerstein. Das prachtvolle Schloss Wallerstein, das am Fuße des Felsens liegt, und die klassizistischen Bauten des Ortes zeugen von aristokratischem Glanz und politischer Bedeutung in vergangenen Jahrhunderten. Die Geografie bietet weite Sichtachsen über das fruchtbare Kraterbecken, das von den bewaldeten Höhenzügen der Fränkischen Alb und der Schwäbischen Alb umschlossen wird.
In dieser Grenzlage zwischen Franken und Bayern vermischen sich Dialekte und Traditionen zu einer ganz eigenen Identität. Die Ruhe des Ortes ist jedoch trügerisch; unter den Pflastersteinen der fürstlichen Reitbahn und in den dunklen Winkeln der barocken Gruft der Pfarrkirche St. Alban scheinen alte Familiengeheimnisse und unbeglichene Rechnungen darauf zu warten, ans Licht gezerrt zu werden. Wenn der Wind über die kargen Felsvorsprünge pfeift und die Schatten der Schlossmauer länger werden, spürt man in Wallerstein, dass Ehre und Blut hier seit Generationen schwerer wiegen als modernes Recht.
Schauplätze
Der erste Schauplatz ist der Gipfel des Wallersteiner Felsens. Auf der Aussichtsplattform, direkt unterhalb des Gedenkkreuzes, wird ein beschädigtes Fernglas gefunden. Das Gehäuse aus schwerem Metall weist Kratzspuren auf, die durch den Kontakt mit dem rauen Suevit-Gestein entstanden sind. In den Ritzen der Linsenhalterung finden sich Rückstände von silbernem Siegellack. Unter der hölzernen Sitzbank der Plattform wird ein verlorener Manschettenknopf sichergestellt, der mit einer heraldischen Löwenpranke verziert ist. Der Boden der Plattform zeigt Abdrücke von feinen Herrenschuhen, die eine sehr glatte Ledersohle besitzen und deren Ferseneinschlag auf eine orthopädische Erhöhung hindeutet.
Ein weiterer entscheidender Ort ist die Fürstliche Reitbahn. In einer der historischen Boxen des Marstalls wird eine verschlossene Holzkiste entdeckt. Sie ist mit dem Brandzeichen des fürstlichen Gestüts versehen, enthält aber keine Reitausrüstung, sondern eine Sammlung von Original-Briefen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Die Briefe sind teilweise mit modernen Textmarkern in Gelb und Blau bearbeitet worden. An der Kiste kleben Reste von Pferdemist und winzige Partikel von Haferspelzen, aber auch ein Tropfen einer unbekannten schwarzen Flüssigkeit, die stark nach Bittermandel und Tinte riecht. In der Nähe wird zudem ein moderne Smartphone-Ladekabel gefunden, das in einer Pfütze aus Maschinenöl liegt.
Der dritte Schauplatz ist die Pestsäule (Dreifaltigkeitssäule) im Zentrum von Wallerstein. In einer Vertiefung des prachtvollen Barockdenkmals wird ein zerknitterter Notizzettel gefunden. Er enthält eine Liste von Namen lokaler Honoratioren, hinter denen jeweils ein verschlüsselter Code aus Zahlen und astronomischen Symbolen steht. Neben der Säule liegen Glasscherben eines Kristallglases, die mit den Resten eines sehr teuren, dunklen Rotweins benetzt sind. Im Pflasterspalt direkt unter dem Sockel wird ein silberner Schlüssel entdeckt, der die Prägung einer Bank aus Nördlingen trägt.
Der vierte Schauplatz ist der Schlosspark, nahe dem Eingang zum Mausoleum. Im flachen Wasser eines Zierbrunnens wird eine metallene Dokumentenrolle geborgen. Sie enthält eine aktuelle Baugenehmigung für ein Hotelprojekt, die jedoch handschriftliche Streichungen und den Vermerk „Unzulässig wegen Denkmalschutz“ trägt. An der Rolle kleben Blütenblätter der Magnolie, die im Frühjahr den Park von Wallerstein in ein Blütenmeer verwandelt. Ein in der Nähe gefundener Stift (ein edler Füllfederhalter) weist eine Gravur auf, die auf eine Verleihung für „50 Jahre treue Dienste“ hindeutet.
Verdächtige
Adalbert von Adelshofen ist ein verarmter Adliger aus der Umgebung, der versucht, seine gesellschaftliche Stellung durch den Verkauf von Familienerbstücken zu halten. Sein Motiv ist die Angst vor dem sozialen Abstieg. Er glaubt, dass sich im Archiv des Schlosses Unterlagen befinden, die ihm ein Anrecht auf Ländereien im Ries verbriefen. Seine Besonderheit ist sein hinkender Gang, was die asymmetrischen Schuhabdrücke auf dem Felsen erklärt, und sein Hang zu exklusiven Manschettenknöpfen mit Familienwappen.
Dr. Gundula Grabmann ist eine Archivarshistorikerin, die mit der Katalogisierung der fürstlichen Bestände beauftragt wurde. Ihr Motiv ist wissenschaftlicher Fanatismus und Geldgier. Sie hat entdeckt, dass einige der Napoleon-Briefe Hinweise auf ein verstecktes Golddepot der damaligen Besatzungsmacht enthalten. Sie wollte diesen Schatz für sich beanspruchen, bevor das Denkmalschutzamt eingreift. Ihre Besonderheit ist ihre Kurzsichtigkeit und ihre ständige Arbeit mit modernen Markern, was die Spuren an den Dokumenten erklärt.
Roderich Ratsherr ist ein lokaler Politiker und Immobilienmakler. Sein Motiv ist Profit durch Stadtentwicklung. Er wollte das Hotelprojekt im Schlossumfeld durchdrücken und benötigte dafür das Einverständnis des Denkmalschutzes. Er versuchte, das Opfer, einen strengen Beamten der Denkmalschutzbehörde, zu bestechen oder zu erpressen. Seine Besonderheit ist seine Vorliebe für edle Rotweine und sein Statussymbol, ein gravierter Füllfederhalter, den er bei jeder Vertragsunterzeichnung nutzt.
Konflikt und Geheimnis
Der tiefe Konflikt dreht sich um das „Wallersteiner Testament“. Dabei handelt es sich um ein geheimes Zusatzprotokoll aus dem 19. Jahrhundert, das besagt, dass der Wallersteiner Felsen niemals baulich verändert oder unterkellert werden darf, da er als heilige Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege gilt. Das Geheimnis ist, dass unter dem Felsen tatsächlich ein Hohlraum existiert, der als geheimer Tresor für die fürstliche Kunstsammlung diente. Das Opfer hatte die Verbindung zwischen dem Hotelprojekt von Roderich Ratsherr und der drohenden Zerstörung dieses Tresors entdeckt. Er wurde getötet, weil er drohte, die Pläne öffentlich zu machen und damit sowohl Roderichs Millionenprojekt als auch die Pläne von Dr. Grabmann, die sich bereits Zugang zum Tresor verschafft hatte, zu ruinieren.
Aufklärung und Finale
Das Finale findet während einer nächtlichen Führung auf dem Wallersteiner Felsen statt. Im Schein von Fackeln werden die Verdächtigen mit den Beweisen konfrontiert. Der entscheidende Durchbruch gelingt durch den Manschettenknopf mit der Löwenpranke. Die Ermittler beweisen, dass Adalbert von Adelshofen zur Tatzeit auf dem Gipfel war, um sich mit dem Opfer zu treffen. Als Roderich Ratsherr versucht, Adalbert die alleinige Schuld zuzuschieben, präsentieren die Ermittler den Füllfederhalter aus dem Schlosspark. Die Tinte im Stift ist identisch mit der schwarzen Flüssigkeit an der Holzkiste im Marstall, die Roderich dort deponiert hatte, um Dr. Grabmann zu belasten. Doch der wahre Mörder wird durch das Fernglas überführt. An der Optik klebt silberner Siegellack, der aus dem Privatbesitz von Roderich Ratsherr stammt; er hatte den Denkmalschützer beobachtet und ihn schließlich im Streit über die Brüstung des Felsens gestoßen. Dr. Grabmann wird als Komplizin entlarvt, die den Schlüssel zur Bank in Nördlingen im Austausch für das Schweigen über Roderichs Tat erhalten hatte.
Auflösung und Teilnahmezertifikat
Der Fall ist gelöst, das historische Erbe von Wallerstein ist vor der Zerstörung bewahrt und die Ordnung im Fürstentum wiederhergestellt. Die Teilnehmer des Krimi-Events werden für ihren Scharfsinn und ihren Sinn für Gerechtigkeit geehrt. Sie erhalten die Auszeichnung „Großmeister der Wallersteiner Historie“. Dieses Zertifikat bestätigt ihren Status als offizielle Ehren-Kommissare für das Nördlinger Ries und Experten für aristokratische Kriminalfälle.
Essen und Trinken
Das Menü orientiert sich an der traditionellen Küche der Ries-Region, mit herrschaftlichem Einschlag. Als Vorspeise wird eine „Wallersteiner Festtagssuppe“ mit Markklößchen und Flädle serviert. Der Hauptgang besteht aus dem berühmten „Rieser Bauerngockel“ in einer Weißweinsoße oder einem deftigen „Schwäbischen Zwiebelrostbraten“ mit hausgemachten Spätzle. Für Vegetarier werden „Gebackene Kässpätzle mit Röstzwiebeln“ und ein frischer Marktsalat angeboten. Zum Trinken wird das lokale Bier einer Traditionsbrauerei aus der Region oder ein spritziger Apfelmost gereicht. Zum Nachtisch gibt es „Rieser Küchle“ (ausgezogene Krapfen) und einen Digestif vom heimischen Obst.
Zusatz-Programmpunkte
Das Rahmenprogramm beinhaltet eine geführte Besteigung des Wallersteiner Felsens, bei der die Entstehung des Meteoritenkraters erklärt wird. Zudem wird eine Besichtigung der Pfarrkirche St. Alban mit der fürstlichen Gruft angeboten. Für Geschichtsinteressierte gibt es eine Präsentation alter Karten des Rieses im Gemeindearchiv. Ein kleiner Handwerkermarkt am Marktplatz zeigt die Kunst der Blaudruckerei und der regionalen Webkunst. Musikalisch wird der Abend von einer lokalen Jagdhornbläsergruppe begleitet.
Benötigte Requisiten
Benötigt werden ein Fernglas (metallisch), silberner Siegellack, ein Manschettenknopf (Löwenpranke), eine Holzkiste mit Brandzeichen, Napoleon-Briefe (Replikate), Textmarker, ein Smartphone-Ladekabel, Glasscherben, ein silberner Schlüssel, eine Dokumentenrolle, ein gravierter Füllfederhalter, Magnolienblüten (künstlich) sowie die gedruckten Urkunden für die Teilnehmenden.
Nächste Überlegung wäre die Festlegung der genauen Zeitabstände für die Zeugenbefragungen am Schlosspark oder die Ausarbeitung der verschlüsselten Codes auf dem Notizzettel an der Pestsäule.
